Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
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Werkstattbereich

Energiesparen, Abfalltrennung, Brandschutz – drei wichtige Aspekte für den Werkstattbetrieb: Mit nur wenigen, mittlerweile allgemeingültigen Überlegungen leisten Handwerker praktischen Umweltschutz.
Werkstatt
Quelle: Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade.

In der Werkstatt bereiten Maler und Stuckateure die Baustellen vor. Hier werden Arbeitsmittel, Geräte, Maschinen, Leitern und Gerüste zusammengestellt. Auch die Nachbereitung, beispielsweise die Reinigung von Arbeitsgeräten, erfolgt meist in der Werkstatt. Das Spektrum an Werkstatteinrichtungen ist groß und reicht von einer einfachen Stuckecke im Lager bis hin zu mehreren Lackier- und Trockenkabinen. Eigene Werkstattbereiche finden sich für Werkstoffe, Geräte, für Untergrundvorbehandlung, Montage, Reinigung, Drucklufterzeugung, Beschichtungsstoffe und Lackierung.

Mögliche Werkstattbereiche sind:
  • Werkstoff- und Gerätebereich
  • allgemeiner Werkstattbereich für Vorbereitung, Finish und Bereitstellung
  • Montagebereich
  • Gerätewaschbereich (Wasser)
  • Drucklufterzeugung
  • Lager Beschichtungsstoffe
  • Beschichtungsbereich mit Lackierstand, Lackmischplatz, Trockenbereich und Gerätereinigung (Lösemittel)
Wie die Anordnung dieser Teilbereiche der Werkstatt in der Praxis aussehen kann, zeigt beispielhaft nachfolgende Skizze:
Beispiel-Grundriss Malerbetrieb (6 Mitarbeiter)
Quelle: Batholemy u.a., Planung und Einrichtung von Maler- und Lackierbetrieben, 1996

Dementsprechend unterschiedlich sind die Umweltauswirkungen einer Werkstatt. Folgende Aspekte kommen zum Tragen:
  • Energieverbrauch für Heizzwecke
  • Stromverbrauch für Maschinen
  • Beleuchtung
  • Emissionen in Form von Lösemitteln, Staub, Abluft und Lärm
  • Abfallaufkommen durch Anmisch-, Beschichtungs- und Bearbeitungsvorgänge sowie die entsprechenden Reinigungsarbeiten
  • Abwasser durch Reinigungsvorgänge von Arbeitsmitteln wie Pinsel, Farbrollen, Putzmaschinen
  • Abfall und Abwasser bei Absetzbecken und Waschstationen
  • Spritzkabinen, Trockungsanlagen
Energiesparen
 

Häufig werden Werkstattbereiche nur kurzzeitig oder an bestimmten Wochentagen genutzt. Wird die Heizung auf diese Zeiten abgestimmt oder eine Strahlungsheizung für einzelne Arbeitsbereiche eingesetzt, lässt sich der Energiebedarf deutlich reduzieren. Auch temporäre Temperaturabsenkungen sparen Energie.

Bei der Neuanschaffung von Maschinen und Geräten sollten die Energieverbrauchsdaten wichtiges Kaufkriterium sein. Dabei spielt sowohl die absolute Leistungsaufnahme wie auch die Möglichkeit zur bedarfsgerechten Regelung, wie beispielsweise mehrere Leistungsstufen oder eine Drehzahlregelung, eine Rolle.

Maler und Stuckateure müssen sämtliche Maschinen regelmäßig prüfen und warten.
Dies empfiehlt sich insbesondere für die Drucklufterzeugung und die Absauganlage im Lackierbereich – beides große Stromverbraucher. Dadurch kann die Effektivität der Maschinen dauerhaft sichergestellt und bei Störungen rechtzeitig eingegriffen werden. Eine regelmäßige Kontrolle des Druckluftverteilungsnetzes auf Leckagen und deren unverzügliche Beseitigung schont Nerven und spart Kosten. 

TIPP: Eine gute Hilfe, diese Tätigkeiten regelmäßig durchzuführen und die Ergebnisse zu dokumentieren, ist ein Prüf- und Wartungsplan. Dort werden für die einzelnen Maschinen und Geräte die Prüfvorgaben aufgeführt, Termine vermerkt und deren Ergebnis eingetragen.
Abfallvermeidung
 

Das Verwenden von Kreislaufanlagen zur Gerätereinigung für Walzen, Pinsel und Lackierpistolen reduziert Abwasser und Abfallmengen sowie den Verbrauch an Reinigungsmitteln. Die Maßnahme amortisiert sich daher schnell.

Mit dem Aufstellen eines Behältersystems zur Abfalltrennung in Restmüll, Folien, Papier, Duales System etc. lässt sich der Erfassungsgrad der Abfälle, deren Trennungsgrad und Beschaffenheit positiv beeinflussen. Damit stehen letztendlich preiswertere Entsorgungswege zur Verfügung. Gefahren, die von gefährlichen Abfällen ausgehen, lassen sich so vermeiden.

Speziell zur Abfallvermeidung im Lackierbereich stehen Systeme für die Mehrfachverwendung bereits fertig angemischter Lacke und zur Reduzierung des Reinigungsaufwandes für Anmischbehälter zur Verfügung. Hierzu zählen Beutel- oder Becher-in-Becher-Systeme in Kombination mit luftdichten Verschlüssen. Diese werden von den Herstellern der Applikationsgeräte vertrieben.

Emissionsvermeidung


Durch den Einsatz von Handschleifgeräten mit angeschlossenem Staubsauger vereinfacht sich nicht nur die Staubentsorgung. Auch der Reinigungsaufwand in der Werkstatt reduziert sich deutlich. Das schont gleichzeitig die Gesundheit der Mitarbeiter. Bei der Auswahl der Staubsauger empfiehlt es sich, dem Lieferanten anzugeben, welche Art von Stäuben eingesaugt und welche Schleifmaschinen angeschlossen werden sollen.

Brand- und Explosionsschutz Warnung vor feuergefährlichen Stoffen


Beim Brand- und Explosionsschutz sollten die Mitarbeiter in der Werkstatt und im Lackierbereich beim Umgang mit brennbaren oder entzündlichen Arbeitsstoffen auf folgende Punkte achten:
  • Behälter mit brennbaren Arbeitsstoffen, insbesondere Flüssigkeiten wie Verdünnern oder Härtern, stets geschlossen halten; diese Stoffe sind in der Regel leicht flüchtig und bilden explosionsfähige Gemische.
  • Umfüllvorgänge mit solchen Stoffen nur bei guter Lüftung vornehmen.
  • Gebinde nur in einer Menge im Arbeitsbereich bereithalten, die maximal dem Tagesbedarf entspricht.
  • Gebrauchte Behälter vollständig entleeren und umgehend in den Bereitstellungsbereich im Freien bringen.
Kostenfalle Druckluft

Drucklufterzeugung verbraucht viel Strom. Ein sorgloser Umgang mit Druckluft und dem Bereich der Drucklufterzeugung sowie -verteilung kann daher schnell zu hohen Kosten führen. Da Druckluftkompressoren auch laut sind, gehören sie in einen schallabsorbierenden Raum.

Problemzone Spritzlackierung

Auch das Spritzlackieren verbraucht viel Strom, erzeugt Emmissionen, entzieht den Räumen Wärme und produziert Sonderabfälle – eine Problemzone des Umweltschutzes ersten Ranges. Die aus Gründen der Oberflächenqualität sowie des Arbeits- und Explosionsschutzes notwendigen Absauganlagen haben einerseits einen vergleichsweise hohen Energiebedarf für ihren eigenen Betrieb und entziehen dem umgebenden Betriebsbereich zudem viel Wärme. Typische Absaugleistungen im handwerklichen Bereich liegen in der Größenordnung von 6000 bis 10000 Kubikmeter Luft pro Stunde.

Verminderung von Lösemittelemissionen


Technische Maßnahmen zur Verringerung der VOC-Emissionen

Auch die Emission der abgesaugten Lösemitteldämpfe in die Umgebung spielt eine wichtige Rolle. Nachbarschaftsbeschwerden führen erfahrungsgemäß immer wieder zu Stress und Ärger aller Beteiligten. Die Reduzierung von Lösemittelemissionen ist daher ein wichtiges Ziel des betrieblichen Umweltschutzes. Zwei Arten von Maßnahmen bieten sich an:
Primärmaßnahmen stellen bei der Nasslackierung die wirkungsvollste und im Vergleich zu Sekundärmaßnahmen oft auch die kostengünstigere Möglichkeit zur Reduzierung der Lösemittelemissionen dar.

Primärmaßnahmen
  • Einsatz lösemittelfreier- oder -armer Lacke:
    • Wasserlacke
    • festkörperreiche Lacke (High-Solids)
    • Pulverlacke
  • Geräte- und Verfahrenstechniken:
    • Verwendung oversprayarmer Applikationsgeräte (z. B. HVLP-Spritzpistolen)
    • Objektive Steuerung und Überwachung des Spritzprozesses zur Vermeidung von Überbeschichtungen
Sekundärmaßnahmen
Bei den Sekundärmaßnahmen steht die Beseitigung der emittierten Lösemittel aus der Abluft im Vordergrund. Zur Abscheidung und Rückgewinnung von organischen Lösemitteln aus Abluftströmen stehen prinzipiell folgende Technologien zur Verfügung:
  • Adsorption der Lösemittel an Aktivkohle oder anderen oberflächenaktiven Stoffen
  • Absorption der Lösemittel in geeigneten Waschflüssigkeiten
  • Kondensation der Lösemittel bei niederen Temperaturen
Zur Umwandlung der in der Abluft enthaltenen Lösemittel in umweltverträgliche Stoffe bestehen folgende Maßnahmen:
  • biologische Abluftreinigung mittels Biowäschern
  • thermische und katalytische Nachverbrennung
Die genannten Verfahren (oder Kombinationen aus den genannten Verfahren) werden in erster Linie zur Reinigung der Abluft aus Lacktrocknern und automatischen Spritzzonen mit relativ konstanter Lösemittelbeladung eingesetzt. Dabei ist die thermische Abluftreinigung aufgrund ihrer universellen Einsetzbarkeit am weitesten verbreitet. Alle anderen Verfahren sind nur beschränkt einsetzbar und erfordern teilweise aufwendige Maßnahmen zur Weiterbehandlung der sorbierten Lösemittel (z. B. Desorption der Aktivkohle bzw. der Waschflüssigkeit).

Glossar

Biowäscher
Ein Biowäscher dient der biologischen Abgasreinigung. Dabei wandeln Mikroorganismen (Bakterien) organische und auch anorganische gasförmige schadstoffbelastete Verbindungen biochemisch in unbedenkliche, geruchsneutrale Produkte um. Das durch den biologischen Abbau regenerierte Wäscherwasser wird im Kreislauf gefahren. Die zum biologischen Abbau notwendigen Nährstoffe müssen in die Waschflüssigkeit zugegeben werden. Der Biowäscher eignet sich gut für wasserlösliche Abluftinhaltsstoffe mittlerer Konzentration. (Quelle: Wikipedia)


Gefährliche und nicht gefährliche Abfälle
Abfälle werden in gefährliche und nicht gefährliche Abfälle eingeteilt. Die als gefährlich einzustufenden Abfälle werden in der Abfallverzeichnisverordnung festgelegt und sind dort mit einem Stern gekennzeichnet. Ein Abfall gilt als gefährlich, wenn er eines oder mehrere Gefahrenmerkmale aufweist (z.B. Flammpunkt kleiner 55 °C oder Konzentration sehr giftiger Stoffe größer/gleich 0,1 %). Die frühere Differenzierung in besonders überwachungsbedürftige, überwachungsbedürftige und nicht überwachungsbedürftige Abfälle ist 2007 entfallen. Detaillierte Informationen über Sonderabfälle, gefährliche Abfälle und besonders überwachungsbedürftige Abfälle liefert beispielsweise das Umweltbundesamt.

HVLP-Technik
High Volume Low Pressure Spritztechnik. Mit dieser druckluftreduzierten Spritztechnik lässt sich der Anteil fehlverspritzten Lackes verringern.

Details siehe hier.



VOC
Unter VOC (volatile organic compounds) werden leichtflüchtige organische Verbindungen verstanden. Die häufigsten Lösemittel in Lacken sind z. B. aromatische Kohlenwasserstoffe (Xylol und Toluol), Benzine, Acetate, Alkohole sowie Glykole, die überwiegend in Wasserlacken eingesetzt werden.

Volatile Organic Compounds ist die gängige Abkürzung für leichtflüchtige organische Substanzen, d.h. Substanzen, deren Dampfdruck bei 20°C 0,1 hPa übersteigt.
Die Richtlinie finden Sie hier.




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