Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
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Abbrucharbeiten

AbbrucharbeitenAbbrucharbeiten dürfen nur von erfahrenen und fachlich geeigneten Personen ausgeführt werden. Die damit beauftragten Unternehmen müssen über besondere Gerätschaften und Einrichtungen verfügen. Da mit jedem Abbruch auch erhebliche Umwelt- und Unfallgefahren einhergehen, sind Abbrucharbeiten ausführlich zu planen.

Die Planung muss berücksichtigen:

  • Art, Umfang und Reihenfolge der Arbeiten
  • Abbruchmethode
  • Art und Anzahl der einzusetzenden Geräte und Maschinen
  • erforderliche Hilfskonstruktionen und Gerüste
  • Absturzsicherungen
  • Berücksichtigung möglicher Auswirkungen auf angrenzende Gebäude
  • Schutzmaßnahmen gegen auftretende Gefahrstoffe
  • Brandgefahren durch Baumaterialien, Farbkanister und Elektrokabel in Verbindung mit offenem Feuer oder bei Schweißarbeiten
  • Trennung und Aufbereitung der Baustoffe für eine geordnete Entsorgung

Bei Abbrucharbeiten im Zimmererhandwerk ergeben sich besondere Gefahren durch den Umgang mit

  • Asbesthaltigen Produkten
  • Mineralfaserprodukten
  • Mineralischen Stäuben

 Sanierung von Asbestzementplatten

Im eingebauten Zustand gehen von Asbestzementplatten in der Regel keine Gefahren aus. Werden die Asbestzementplatten aber angebohrt, zerschlagen oder gereinigt, können erhebliche Fasermengen freigesetzt werden. Reinigen, abbürsten und schleifen dieser Platten ist deshalb verboten!

Für Sanierungsarbeiten von Asbestzementprodukten sind die Mitarbeiter durch eine Betriebsanweisung im Umgang mit der erforderlichen Schutzausrüstung zu schulen. Jugendliche dürfen auch für Ausbildungszwecke nicht damit beschäftigt werden.

Wichtig ist, dass die Sanierungsarbeiten mit anderen Gewerken abgestimmt werden. Der betroffene Arbeitsbereich muss soweit wie möglich durch Folien dicht abgegrenzt und mit Warnschildern einzudeutig gekennzeichnet werden.

Bild: Warnhinweis Asbestarbeiten
Warnschild Asbestarbeiten
Quelle: Zimmerer- und Holzbauarbeiten, Bau-BG, D 37, 10/2002

Die Handhabung von asbesthaltigen Stoffen und deren Entsorgung ist im Detail in der TRGS 519 genau geregelt. Jeder Umgang mit Asbestzementprodukten muss der Aufsichtsbehörde und der Berufsgenossenschaft schriftlich angezeigt werden. Für die Demontage ist ein Arbeitsplan aufzustellen, der alle Aspekte des Arbeits- und Umweltschutzes berücksichtigt:

  • Technische und persönliche Schutzmaßnahmen
  • Dekontamination der Beschäftigung
  • Abfallbehandlung und Entsorgung.

Zum letzteren Punkt können weitere Hinweise im Bereich Zimmerer > Abfallentsorgung > Baustellenabfälle > Dämmstoffe/Asbest nachgelesen werden.

Die Sanierung von großen, mit schwachgebundenem Asbest belasteten Gebäuden sollte von Sanierungsfirmen durchgeführt werden, die sich aufgrund der hohen gesetzlichen Anforderungen an Personal und Gerät auf derartige Arbeiten spezialisiert haben. Arbeiten an Asbestzementprodukten in geringerem Umfang können jedoch von typischen Zimmereibetrieben durchgeführt werden.

Der Betrieb muss jedoch über mindestens einen speziell für den Umgang mit Asbest geschulten Mitarbeiter verfügen, der als Aufsichtsführender ständig auf der Baustelle vor Ort sein muss. Der Nachweis der Sachkunde wird durch die erfolgreiche Teilnahme an einem anerkannten Sachkundelehrgang erbracht, der z.B. in Biberach angeboten wird.

Arbeiten geringen Umfangs liegen vor, wenn die anfallende Arbeit von max. 2 Personen in einer Zeit von weniger als 4 Stunden durchgeführt werden kann und dabei eine Asbestzfaserkonzentration von 100.000 Fasern/m³ nicht überschritten wird. Dazu zählen z.B. folgende Arbeiten:

  • Entfernen von Dichtungen, z.B. bei Gasbrennern oder an Türen
  • Demontage kleiner asbesthaltiger Heizkessel
  • Entfernen von Asbestpappen unter Fensterbänken
  • Anbohren von Asbestzementfassaden und -rohren
  • Auswechseln von Asbestzementplatten und -rohren
  • Entfernen von Bodenblatten aus Vinyl-Asbest

Unbeschichtete Asbestzementprodukte sind beim Abtragen, Ausbauen und Beseitigen an der Oberfläche feucht zu halten. Das Wasser kann wie Regenwasser abgeleitet werden. Beschichtete Produkte dürfen in trockenem Zustand ausgebaut werden, soweit die Beschichtung nicht großflächig abgewittert ist.

Bei Arbeiten auf Wellplattendächern lastverteilende Laufstege benutzten - Einsturzgefahr!

Befestigungen sorgfältig lösen. Bauteile möglichst zerstörungsfrei ausbauen und nicht aus Überdeckungen oder über Kanten ziehen. Wenn Asbestplatten oder -rohre nicht zerstörungsfrei ausgebaut werden können, müssen sie unter Einsatz von Sprühmitteln aufgesägt werden.

Befestigungsmittel, Bruch- und Kleinteile, Dichtungsschnüre usw. in Behältern sammeln und diese entsprechend kennzeichnen.

Bild: Kennzeichnung Asbestabfälle
Kennzeichnung Asbestabfälle

Unmittelbar nach dem Entfernen der Asbestzementprodukte sind die durch asbesthaltigen Staub verunreinigten Flächen der Unterkonstruktion, z.B. Latten, Sparrren, Pfetten, Schalung, durch feuchtes Abwischen oder Absaugen mit einem geprüften Staubsaugern zu reinigen. Ein solcher Staubsauger muss der Verwendungskategorie K 1 in Kombination mit einem vorgeschalteten C-Filter entsprechen. Wie alle anderen elektrischen Betriebsmittel auf Baustellen müssen sie der Schutzart IP 54 genügen.

Bei Arbeiten an Außenwandbekleidungen aus Asbestzementprodukten sind geeignete Planen oder Folien zum Auffangen und Sammeln von herabfallenden Bruchteilen auszulegen.

Asbestabfälle nicht zerkleinern sondern als komplette Platten entweder in reißfesten Kunststoffsäcken, Big-Bags oder geschlossenen Containern sammeln. Die Behälter sind entsprechend zu kennzeichnen und gegen den Zugriff Unbefugter zu sichern.

Bild: Für Asbestabfälle gekennzeichneter Container
Für Asbestabfälle gekennzeichneter Container
Quelle: Zimmerer- und Holzbauarbeiten, Bau-BG, D 37, 10/2002

Wer sein Dach sanieren muss, weil sich dort Asbeststoffe befinden, der kann auf eine Unterstützung des Finanzamtes hoffen. Solche Ausgaben gelten als außergewöhnliche Belastung und können darum von der Steuer abgesetzt werden.

Sanierung von Mineralfaserprodukten

Mineralwolle-Dämmstoffe sind insbesondere als Glas- oder Steinwolle bekannt. Beim Umgang mit Mineralwolle-Dämmstoffen muss zwischen sog. "alten" und "neuen" Produkten unterschieden werden. Unter "alten" Mineralwolle-Dämmstoffen werden Produkte zusammengefasst, die als krebserzeugend gelten. Dazu gehören insbesondere Produkte, die vor 1996 hergestellt und eingebaut worden sind. Seit 1996 werden Produkte hergestellt, die als unbedenklich gelten. Seit dem 01.06.2000 dürfen in Deutschland nur noch KMF-Dämmstoffe produziert und
verarbeitet werden, die nach der Gefahrstoffverordnung als unbedenklich (frei von Krebsverdacht) gelten.

Bild: Abbrucharbeiten von Mineralfaserprodukten
Abbrucharbeiten von Mineralfaserprodukten
Quelle: BGI 665 Abbrucharbeiten, Oktober 2002

"neuen" Mineralfaserdämmstoffe

Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen

Auch beim Umgang mit neuen Produkten kann es durch gröbere Fasern (Faserbruchstücke) zu Haut-, Augen- oder Atemwegsreizungen kommen. Es sind deshalb folgende Mindestmaßnahmen zu beachten:

  • Vorkonfektionierte oder kaschierte Mineralwolle-Dämmstoffe bevorzugen.
  • Verpackte Dämmstoffe erst am Arbeitsplatz auspacken. Material nicht werfen.
  • Für gute Durchlüftung am Arbeitsplatz sorgen. Das Aufwirbeln von Staub vermeiden.
  • Auf fester Unterlage mit Messer und Schere schneiden.
  • Keine schnell laufenden, motorbetriebenen Sägen ohne Absaugung verwenden.
  • Arbeitsplatz sauber halten, regelmäßig reinigen. Staub saugen statt kehren.
  • Verschnitte und Abfälle in geeigneten Behältnissen, z.B. Plastiksäcken, sammeln. Beim Verschließen der Plastiksäcke die Luft nicht herausdrücken.
  • Eingebaute Sämmstoffe möglichst zerstörungsfrei ausbauen.
Persönliche und hygienische Schutzmaßnahmen
  • Locker sitzende, geschlossene Arbeitskleidung und ggf. Handschuhe tragen.
  • Bei starker Staubentwicklung oder Überkopfarbeiten Schutzbrille benutzen. Zum Schutz von Atemwegsreizungen vorsorglich Halbmaske mit P1-Filter oder partikelfiltrierender Halbmaske FFP 1 tragen.
  • Bei empfindlicher Haut Schutzcreme oder Lotion verwenden.
  • Nach Beendigung der Arbeiten Staub abwaschen.

"alte" Mineralfaser-Dämmstoffe

Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen

Neben den Mindestschutzmaßnahmen (s. o.) gilt zusätzlich:

  • Unternehmensbezogene Anzeige (mit Formblatt).
  • Betriebsanweisung erstellen und Beschäftigte vor Beginn der Arbeiten, mindestens jedoch einmal jährlich über die Gefahren und mögliche Schutzmaßnahmen unterweisen.
  • Zahl der Arbeitnehmer auf ein Mindestmaß begrenzen.
  • Gefährdeten Bereich von anderen Arbeitsbereichen abgrenzen und kennzeichnen (Verbotszeichen P 06 "Zutritt für Unbefugte verboten").
  • Bei Arbeiten in Innenräumen schwer zu reinigende Einrichtungsgegenstände, Teppichböden usw. mit Folie abdecken.
  • Für die Absaugung geprüfte Industriesauger der Staubklasse H verwenden.
  • Abfälle staubdicht verpacken und kennzeichnen.

Persönliche und hygienische Schutzmaßnahmen

Neben den oben genannten Mindestmaßnahmen gilt zusätzlich

  • Atmungsaktiven Schutzanzug tragen (Typ 5)
  • Atemschutz (Halbmaske) mit P2-Filter oder partikelfiltrierende Halbmaske FFP 2 verwenden.
  • Rauchverbot am Arbeitsplatz.
  • Waschmöglichkeit vorsehen.

Für die Entsorgung entsprechender Abfälle finden weitere Hinweise unter Zimmerer > Abfallentsorgung > Baustellenabfälle.

Mineralische Stäube

Bei Abbrucharbeiten können auch erhebliche Belastungen durch mineralische Stäube entstehen. Neben dem sichtbaren Grobstaub ist vor allem der Feinstaub besonders gefährlich. Feinstaub (Partikel < 1/5000 mm) ist mit dem Auge nicht mehr sichtbar und kann beim Einatmen bis in die Lunge gelangen. Erkrankungen der Atemorgane wie z. B. Entzündungen oder Bronchitis können die Folge sein. Enthält der Feinstaub freie kristalline Kieselsäure, die bei der Bearbeitung quarzhaltiger Gesteine freigesetzt wird, besteht die Gefahr einer Quarzstaublungenerkrankung (Silikose) bzw. einer Lungenkrebserkrankung in Verbindung mit einer Silikose.

Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen
  • Staubarme Arbeitsverfahren und -geräte auswählen; schnell laufende und trocken arbeitende Geräte ohne Absaugung z. B. Trennschleifer, nicht verwenden.
  • Nicht mit Druckluft reinigen, nicht kehren, sondern saugen. Grobe Stücke mit Rechen einsammeln.
  • Für Absaugungen und Reinigungsarbeiten nur geprüfte Industriestaubsauger mindestens der Staubklasse M verwenden.
  • Staub möglichst an der Entstehungsstelle direkt absaugen.
  • Betriebsanweisung erstellen und Arbeitnehmer regelmäßig unterweisen.
Persönliche und hygienische Schutzmaßnahmen
  • Atemschutz (Halbmaske) mit P2-Filter oder partikelfiltrierende Halbmaske FFP 2 verwenden.
  • Waschmöglichkeit vorsehen.


 

Glossar

Betriebsanweisungen
Die Betriebsanweisung ist eine Anweisung des Arbeitgebers an die Beschäftigten. Sie regelt arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogen das Verhalten im Betrieb mit dem Ziel, Unfall- und Gesundheitsgefahren zu vermeiden. Darüber hinaus dient sie als Grundlage für Unterweisungen. Man unterscheidet Betriebsanweisungen, die den Umgang mit Gefahrstoffen regeln, und sicherheitstechnische Betriebsanweisungen für den Umgang mit Maschinen und Anlagen. Geregelt werden nur die Tätigkeiten, die gefährlich bzw. sicherheitsrelevant sind. Die Betriebsanweisung enthält hierzu die erforderlichen Angaben der Gebrauchsanleitung bzw. -anweisung (bei technischen Erzeugnissen) oder der Sicherheitsdatenblätter (bei Gefahrstoffen) des Herstellers, Einführers oder Lieferanten.

Schutzart
Leuchten und andere elektrische Geräte müssen ggf. gegen das Eindringen von Fremdkörpern und/oder Wasser geschützt sein. Die Schutzart wird mit einem Kurzzeichen dargestellt, das sich aus den Buchstaben IP ([engl.] international protection) und zwei Ziffern zusammensetzt (1. Ziffer: Berührungsschutz, 2. Ziffer: Wasserschutz).

IP 20:
Schutz gegen das Eindringen fester Körper mit einem Durchmesser größer 12 mm.
Kein besonderer Schutz gegen das Eindringen von Wasser.

IP 44:
Schutz gegen das Eindringen fester Körper mit einem Durchmesser größer 1 mm.
Schutz gegen Spritzwasser (aus allen Richtungen).

IP 50:
Schutz gegen das Eindringen schädlicher Staubablagerungen (staubgeschützt).
Kein besonderer Schutz gegen das Eindringen von Wasser.

IP 54:
Schutz gegen das Eindringen schädlicher Staubablagerungen (staubgeschützt).
Schutz gegen Spritzwasser (aus allen Richtungen).

IP 65:
Vollständiger Schutz gegen das Eindringen von Staub.
Schutz gegen Eindringen von Strahlwasser.



TRGS 519
Die Technische Regel Gefahrstoffe TRGS 519 Asbest - Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten enthält die Vorgaben zum Umgang mit Asbest gemäß dem Stand der sicherheitstechnischen, arbeitsmedizinischen sowie hygienischen Erkenntnisse. 
Die Technischen Regeln finden Sie hier.




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