Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
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Bautrocknung

Feuchtigkeit in Bauteilen ist eine wesentliche Ursache für Bauschäden. Um größere Schäden an der Bausubstanz und hinsichtlich der Gesundheit der Bewohner abzuwenden, muss die Feuchtigkeit aus den Bauteilen mittels Bautrocknung entfernt werden. Dies kann zudem eine deutliche Ersparnis bei den Heizkosten mit sich bringen.
Schadensbild aufsteigende Feuchte

Ursachen für Baufeuchte


Feuchtigkeit kann aufgrund eines einmaligen Eintrags (Rohrbruch, Löschwasser, Einbau feuchter Baustoffe) oder eines dauerhaften Eintrags (Leckagen, hohe Luftfeuchte durch das Nutzerverhalten, Kondensation) auftreten.
Ziel aller Maßnahmen zur Bautrocknung sollte es sein, die Feuchte des Bauteils mit möglichst wenig Energieaufwand und in vertretbarer Zeit soweit zu reduzieren, dass wieder ein trockener, trag- und haftfähiger Untergrund entsteht. Dies sollte gleichzeitig möglichst zerstörungsfrei erfolgen und für einen dauerhaften Schutz vor feuchtebedingten Folgeschäden sorgen.

Schadensanalyse

Bei der Schadensanalyse stellt der Fachhandwerker das Ausmaß des Feuchteschadens (Größe des Bereichs, Feuchtegrad), die Verteilung, die Kapillarität der betroffenen Baustoffe und mögliche Ursachen der Feuchte fest. Hilfreich können dabei Temperaturmessungen an Bauteiloberflächen oder Thermografieaufnahmen sein.

Beim Verlegen von Holzfußböden hat die Restfeuchte eine besondere Bedeutung: Hier empfiehlt sich unbedingt eine Messung der Restfeuchte über die Carbid-Methode (CM-Gerät), da Holzböden zum schadensfreien Verlegen eine sehr niedrige, definierte Restfeuchte benötigen. Eine Abschätzung aufgrund einer Inaugenscheinnahme reicht erfahrungsgemäß nicht aus, um Folgeschäden bis hin zum vollständigen Austausch des neu verlegten Holzbodens zu vermeiden. Eine solche Messung stellt keine Nebenleistung nach VOB dar und ist daher kostenpflichtig.

TIPP: Stellt der Fachhandwerker eine zu hohe Restfeuchte durch neu eingebrachte Baustoffe fest, sollte dieser Mangel unbedingt an die Bauleitung gemeldet werden. Ein Beginn der Arbeiten erst nach abgeschlossener Resttrocknung vermeidet Folgeschäden an den eigenen Bauleistungen und die damit verbundenen Gewährleistungsprobleme. Näheres hierzu finden Sie im Kapitel Prüfung der Vorleistungen nach VOB.
Beseitigung von Feuchtigkeit

Einmaliger Eintrag

Entstammt die Feuchte aus neu eingebauten oder eingebrachten Baustoffen, beispielsweise Estrich oder Verputz, so ist es am sinnvollsten, den Trocknungsvorgang vor nachfolgenden Arbeiten vollständig abzuschließen. Dies erfolgt meist über natürliche Lüftung. Auch technische Verfahren, wie Trocknung durch Warmluft oder Kondensationstrocknung sind geeignete Mittel.

Entstammt die Feuchte aus einmaligen Schadensfällen, ist zunächst das genaue Ausmaß der Durchfeuchtung zu ermitteln. Daraus ergibt sich das optimale Trocknungsverfahren. Falls die betroffenen Bauteile durch eine Trocknung nicht wieder in einen einwandfreien Zustand gebracht werden können, beispielsweise bei durchnässten Dämmmaterialien, bleibt nur das Entfernen bzw. die Sanierung.

Dauerhafter Eintrag

Ist die Feuchte durch eine ständig wirkende Ursache bedingt, ist diese zu beseitigen. Bei Konstruktionsfehlern, wie Wärmebrücken, fehlerhafter Bauwerksabdichtung gegenüber dem Untergrund usw., kann eine Trocknung erst danach zu einer Besserung führen. Aufgrund der komplexen Ausbreitungswege und Wirkungszusammenhänge empfiehlt es sich, hierfür einen Baufachmann oder einen spezialisierten Fachbetrieb einzuschalten.

Feuchte, die aus dem Nutzungsverhalten der Bewohner resultiert, kann nur über Verhaltensänderung dauerhaft vermindert werden. Das reine Trocknen der betroffenen Bauteile bringt hier keine wirkliche Besserung. Dies gilt insbesondere für aufgetretenen Schimmel, der auch lange Trockenphasen durch Sporenbildung überdauern kann. Nähere Informationen hierzu im Kapitel Schimmelpilzsanierung.

Entfernen störender Bauteile


Sofern das Trocknen des eigentlich durchfeuchteten Bauteils durch andere Baubestandteile, beispielsweise Holzverschalungen, Trockenbauplatten oder Beschichtungen, behindert wird, ist deren Entfernen ratsam. Dadurch kann der eigentliche Trocknungsvorgang deutlich effektiver durchgeführt werden.

Baustoffe/Materialien, die sich durch Trocknen nicht mehr in den voll funktionsfähigen Ausgangszustand versetzen lassen, sollten, um den Trocknungsaufwand zu mindern, ebenfalls entfernt werden.

Sind die Feuchteschäden mit Ausblühungen verbunden, empfiehlt sich ein großflächiges Entfernen des betroffenen Putzes (circa ein Meter um die Feuchtigkeitsränder herum) sowie gegebenenfalls das Auskratzen belasteten Fugenmörtels.

Trocknungsverfahren


Für die Bautrocknung steht als technische Maßnahme eine ganze Reihe von Verfahren zur Verfügung. Ein wichtiges Prinzip ist dabei, vorhandene Feuchtigkeit an der Oberfläche zu entfernen und über nachfolgende Diffusionsprozesse eine Trocknung bis in die Tiefe zu erreichen. Das andere grundlegende Prinzip beruht darauf, das Verdunsten der Feuchte direkt im betroffenen Bauteil zu forcieren und die austretende Feuchtigkeit abzuführen. Im Tätigkeitsbereich von Maler- und Stuckateurbetrieben kommt folgenden beiden Verfahren die größte Bedeutung zu.

Heißluftgebläse

Ein Heißluftgebläse erhöht die Raumtemperatur. Erwärmte Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Die feuchtebeladene Luft wird durch Lüften abtransportiert. Das sorgt für schnelle Trocknungszeiten.

Bei Bautrocknern, die mit Öl oder Gas beheizt werden, kommt dem Luftaustausch für eine wirksame Trocknung eine besondere Bedeutung zu. Grund ist, dass bei der Verbrennung Wasserdampf entsteht, der zusätzlich entfernt werden muss. Beispielsweise entstehen bei der Verbrennung von 1 Kilogramm Propan ca. 1,6 Kilogramm Wasser in Dampfform.

Kondensationstrocknung

Funktionsprinzip Kondensationstrocknung Bei der Kondensationstrocknung wird der Raumluft nach dem Prinzip der Kältetrocknung Feuchtigkeit entzogen und die getrocknete Luft leicht erwärmt wieder in den Raum abgegeben. Zum Ausgleich der Feuchteunterschiede verdunstet Wasser von der Oberfläche des feuchten Bauteils. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen im vergleichsweise niedrigen Energiebedarf und dem leisen Betrieb. Dem gegenüber steht der Zeitbedarf für eine ausreichende Trocknung des feuchten Bauteils − er kann durchaus Wochen betragen. Darüber hinaus ist dieses Verfahren nur im Umluftbetrieb innerhalb eines geschlossenen Bereiches sinnvoll.

Sonstige Trocknungsverfahren

Sofern die beiden genannten Verfahren nicht anwendbar sind, beispielsweise bei der Trocknung im Außenbereich, kann auf weitere Verfahren zurückgegriffen werden:
  • Infrarot- oder Mikrowellenstrahlung (Aufheizen des feuchten Untergrundes auf 30 bis 60°C zum Erhöhen der Verdunstungsrate)
  • direktes Aufheizen des Mauerwerks durch Heizstäbe auf ca. 100 °C, teilweise unterstützt durch das Einblasen trockener Druckluft
  • spezielle Belüftungsverfahren, wie Seitenkanalverdichter, Schlitzdüsenverfahren usw. die an schwierige räumliche Gegebenheiten, beispielsweise für die Trocknung unter Bodenbelägen, angepasst sind
Energetisch interessant sind Geräte, die den Austausch der feuchtebeladenen Abluft gegen trockenere Frischluft mit einem Wärmeaustausch verbinden (beispielsweise „Wind-Box“).
Zum Sanieren feuchten Mauerwerks wird das sogenannte Opferputz-Verfahren eingesetzt. Hierbei wird Sanierputz aufgetragen, der Feuchtigkeit und Salze aus dem Untergrund aufnimmt und später wieder abgeschlagen wird.

TIPP: Eine vollständige Bautrocknung kann bei Neubauten eine deutliche Ersparnis bei den Heizkosten in der Anfangsphase der Nutzung mit sich bringen. Erfahrungen sprechen von Einsparpotenzialen bis zu 50 %. Dies kann auch gegenüber dem Kunden als Nutzenargument eingesetzt werden.

Glossar

Carbid-Methode
Die Carbid-Methode dient zur genauen Bestimmung von Feuchtigkeit im Unterboden (Beton, Zementestrich). Dazu wird eine Materialprobe entnommen, genau abgewogen und in einer geschlossenen Apparatur mit Carbid zur Reaktion gebracht. Der entstehende Gasdruck ist ein Maß für den Feuchtigkeitsgehalt des Materials. Die Feuchtemessung mit dem CM-Gerät entspricht nach DIN 18365/18356 den anerkannten Regeln des Fachs und wird in Streitfällen als einzige Messmethode anerkannt.


Luftfeuchte
Luft kann Wasser in Form von Dampf aufnehmen, speichern und in Form von Kondensat wieder abgeben. Die maximal aufnehmbare Menge an Wasser ist von der Lufttemperatur abhängig. Beispielsweise kann Luft von 0 °C Wasser in einer Menge von ca. 5 g/m3 aufnehmen, Luft von 20 °C dagegen bereits 17 g/m3 und Luft von 30 °C sogar 30 g/m3.
Diese Mengenangaben entsprechen der absoluten Luftfeuchte.

Die bei einer bestimmten Temperatur maximal aufnehmbare Wasserdampfmenge entspricht einer jeweiligen relativen Feuchtigkeit von 100 %. Auch die relative Luftfeuchte ist temperaturabhängig: Wird Raumluft mit 60 % relativer Luftfeuchte von beispielsweise 18 ° C auf 25 ° C erwärmt, hat sie, obwohl die absolute Wassermenge konstant bleibt, nur noch 40 % relative Feuchte.

Wird bei Abkühlung von Luft der Taupunkt erreicht (100% rel. Luftfeuchte) kondensiert die Luftfeuchte. Diese Kondensation kann sich als sichtbarer Nebel oder als Feuchte auf Oberflächen zeigen.




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