Fassadenreinigung
Das Reinigen von Außenfassaden kann entweder aufgrund von Verschmutzungen der Fassadenoberfläche durch Staub, Ruß, Algen und Netze von Mauerspinnen oder aus Anlass geplanter Neubeschichtungen notwendig sein.
Verschmutzungen auf den Fassaden lassen sich in zwei wesentliche Gruppen einteilen:
- mineralische Verschmutzungen (Korrosionsprodukte, Gipskrusten, Zementschleier, Auswaschungen, Verwitterungsprodukte, ...) und
- organische Verschmutzungen (Russ, Öl, Fett, Vogelkot, Algen, Schimmelpilze, Moos, ...)
Zusätzlich können in einigen Fällen Verschmutzungen auch Spuren von Schwermetallen wie Kupfer, Zink oder Blei aufweisen.
Als Reinigungsverfahren stehen eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten zur Verfügung, deren Einsatz sorgfältig auf den zu reinigenden Untergrund abgestimmt werden muss. Grob lassen sich diese Verfahren in folgende Gruppen einteilen:
Sofern mit trockenen Verfahren kein ausreichender Reinigungseffekt erzielt werden kann, besteht die Möglichkeit, die Reinigungswirkung durch Einsatz geeigneter Reinigungschemikalien zu verbessern. Die Reinigungsmittel müssen sorgfältig auf den Untergrund abgestimmt werden und haben die Aufgabe, die Schmutzkruste aufzuschließen und löslich zu machen. Die Abstimmung auf den Untergrund ist insbesondere dann wichtig, wenn die zu reinigende Fassadenfläche unterschiedliche Materialien aufweist.
Als Reinigungsmittel kommen bei Maler- und Stuckateurbetrieben vor allem folgende Gruppen zum Einsatz:
- Tensidhaltige Reiniger
(mit biologisch gut abbaubaren Tensiden)
- Alkalische Reiniger
(auf Basis Natron- oder Kalilauge, soda- oder ammoniakalischen Lösungen)
- Saure Reiniger
(breitester Einsatzbereich; von Rostentfernen über hartnäckige Schmutzkrusten beispielsweise durch Ausblühungen bis hin zu Algen oder Moosen)
- Lösemittelhaltige Reiniger
(Einsatz bei Verschmutzungen durch Teer, Bitumen oder Fett, sofern tensidhaltige Reiniger nicht ausreichen)
Eine andere gebräuchliche Einteilungsmethode für Reinigungsmittel richtet sich nach dem pH-Wert:
- Stark alkalische Reiniger (pH > 12); beispielsweise für hartnäckige Fettverschmutzungen
- Mild alkalische Reiniger (pH 8 -10); universell anwendbar, da kein Angriff der Oberfläche
- Neutralreiniger (pH 7-9); für leichtere Reinigungsaufgaben; auch mit Korrosionsschutz für Metalle kombinierbar
- Saure Reiniger (pH 3-5); oft auf Alkaliphosphat-Basis; ergeben haftverbessernde Phosphatschichten auf Metallen; für kalkhaltige Untergründe nicht geeignet
In der Regel müssen den eigentlichen Reinigungsvorgängen noch Spülvorgänge nachgeschalten werden um Reinigungsmittelreste zu entfernen und den pH-Wert wieder neutral einzustellen.
Die zentralen Umweltauswirkungen aus der Fassadenreinigung bestehen aus:
- Abwasser aus nassen Reinigungsverfahren
- Abfall aus der trockenen Fassadenreinigung oder aus der Abwasserbehandlung sowie
von verschmutzten Abdeckmaterialien
- Lärm aus dem Einsatz von Hochdruckreinigungsverfahren
Bei der trockenen Fassadenreinigung kann darüber hinaus noch Staubentwicklung eine Rolle spielen.
Ziel der Fassadenreinigung aus Umweltsicht sollte sein, das Reinigungsergebnis möglichst ohne Reinigerzusatz, mit einem Minimum an Abfällen und einer möglichst unproblematischen Abwasserzusammensetzung zu erzielen.
Nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die gebräuchlichsten Nassreinigungsverfahren:
| TechnischeAusführung |
Zusatzstoffe |
Rückstände im Abwasser |
Vorkehrungen bzw. Abwasser-behandlung |
Information der Gemeinde / der unteren Wasserbehörde |
| nur mit Wasser |
keine |
lose Putz- und Farbteilchen, Fassaden- verschmutzung |
Feststoffrück- haltung (Folienabdeckung bei unbefest- igten Flächen) |
in der Regel nicht erforderlich |
mit Zusatz von tensidhaltigen Reinigungsmitteln |
biologisch abbaubare Tenside |
wie oben, zu- sätzlich biolog- isch abbaubare Reinigungsmittel |
|
mit Zusatz von sauren oder alkalischen Reinigungsmitteln |
Säuren und Laugen |
wie oben, zu- sätzlich Säuren und Laugen (niedriger bzw. hoher pH-Wert) |
Feststoffrück- haltung, pH-Wert bestimmen, ggf. Wasser auffangen und auf einen pH- Wert zwischen 6,5 - 9,5 einstellen |
in der Regel nur dann erforderlich, wenn der pH- Wert des Ab- wassers < 6,5 (sauer) oder > 9,5 (alkalisch) liegt und daher behandelt werden muss |
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass bei einer zu reinigenden Fassadenfläche von < 300 m
2 (Richtwert für Ein-bis Zweifamilienhäuser) und dem Einhalten des pH-Bereiches von 6,5 - 9,5 im unbehandelten Abwasser auf eine Information der Gemeinde verzichtet werden kann. Siehe hierzu auch das Merkblatt zur
Abwasserreinigung bei der Fassadenreinigung des Landes Baden-Württemberg.
Abwasser aus der Fassadenreinigung darf nicht einfach versickert oder in die Kanalisation eingeleitet werden. Ersteres ist strikt verboten und kann sogar strafrechtlich verfolgt werden. Deshalb ist darauf zu achten, dass an der Fassade ablaufendes Abwasser sicher aufgefangen und in Sammelbehälter geleitet wird. Dies kann durch Folienrinnen oder Folienwannen am Fuß der Fassade erfolgen.
Orientiert an den konkreten Inhaltsstoffen, die sich aus dem gereinigten Untergrund, dem entfernten Schmutz, dem verwendeten Reinigungsmittel und dem Reinigungsverfahren ergeben, muss das Abwasser vorab einer Behandlung unterzogen werden.
Auf jeden Fall muss bei dem anfallenden Abwasser vor der Einleitung ein Abtrennen der absetzbaren Stoffe erfolgen. Dazu können mobile Abwasserbehandlungsanlagen genutzt werden, die über eine Schwerkraftabscheidung, gegebenenfalls unterstützt durch die Zugabe von Fällungs-/Flockungsmitteln eine Vorreinigung vornehmen. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Seite Maler und Stuckateure > Baustelle > Baustellenorganisation > Abwasserbeseitigung.
Einfachere Lösungen zum Abtrennen der absetzbaren Stoffe arbeiten mit Absetzfässern, Sandbarrieren oder Teppichresten.
Muss aufgrund der Abwasserzusammensetzung eine weitergehende Abwasserbehandlung mit Fällung/Flockung, Emulsionsspaltung, usw. durchgeführt werden, darf dies nur in Anlagen geschehen, die eine wasserrechtliche Genehmigung und eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung besitzen. Da der Betrieb solcher Anlagen spezielle Kenntnisse erfordert und einigen anlagentechnischen Aufwand mit sich bringt, vergeben die meisten Maler- und Stuckateurbetriebe solche Arbeiten an spezialisierte Fachbetriebe.
Wichtig für jegliche Art der nassen Fassadenreinigung ist das vorherige Abklären der Einleitstelle für das Abwasser sowie die konkreten Bedingungen, die bei einer Einleitung eingehalten werden müssen. Dazu muss rechtzeitig vorher (i.d.R. mind. 14 Tage vorab) mit dem Kanalbetreiber eine Klärung herbeigeführt werden. Meist ist ein formaler Antrag zur Einleitung zu stellen, der durch die Behörde genehmigt werden muss. Nähere Informationen hierzu sowie ein Muster eines solchen Antrags enthält das Merkblatt Anforderungen an die Behandlung von Abwasser aus Fassadenreinigung, Entschichtung und Gerätereinigung des Wirtschaftsministeriums Baden Württemberg.
Zur Einschränkung der Umweltauswirkungen aus der Fassadenreinigung bieten sich folgende Möglichkeiten:
- eine gründliche Voruntersuchung der zu reinigenden Fläche
Dies sollte die Klärung der Untergrundart (kalk- oder silikathaltig), der vorhandenen Verschmutzungen und deren Verteilung auf der Fläche, die örtlichen Gegebenheiten hinsichtlich des Verwendens von Folienwannen und mögliche Einleitstellen umfassen.
Empfehlenswert ist das Ergänzen um Vorversuche möglicher Reinigungstechniken und -produkte an unauffälliger Stelle sowie gegebenenfalls um das Reinigen einer repräsentativen Musterfläche. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit die nachfolgenden Reinigungsarbeiten optimal auf den Bedarf auszurichten und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
- das Verwenden möglichst umweltfreundlicher Reinigungsmittel
Dazu ist es ratsam sich bei der Auswahl - neben der im Vordergrund stehenden Reinigungswirkung - auch auf die gute biologische Abbaubarkeit, praxisnahe Dosiersysteme, den pH-Wert und den Anteil an leichtflüchtigen Substanzen zu achten.
Beim Anwenden des Reinigers sollten die Dosiervorgaben des Herstellers strikt beachtet werden.
Tipp: Sofern stark saugende Untergründe vorliegen hilft das vorherige Anfeuchten mit klarem Wasser den Verbrauch an Reinigungsmittel gering zu halten. Zudem bleibt dadurch auch der nachträgliche Spülaufwand gering.
- das vollständige Erfassen des anfallenden Abwassers
Dies beinhaltet das wirksame Abplanen des gesamten Arbeitsbereiches/Gerüstes, der beschädigungsfreie Aufbau von Ablaufrinnen oder Folienwannen sowie die laufende Kontrolle aller flüssigkeitsführenden Anlagenteile (Pumpen, Schläuche, Sammelbehälter, Aufbereitungsanlagen, ...)
Eine Alternative für kleine Flächen stellen so genannte Sprüh-Saug-Systeme ("Abbeizkrake") dar. Bei diesen wird die Reinigungsflüssigkeit innerhalb einer geschlossenen Haube auf die Oberfläche aufgespritzt, gleich wieder abgesaugt und im Kreislauf gefahren.
Quelle: Bau-Berufsgenossenschaften;
Merkblatt D 90
- das Sicherstellen einer effektiven Abwasserreinigung
Im einfachsten Fall einer reinen Feststoffabtrennung durch Absetzen in einem Auffangbehälter, Einsatz von Sandbarrieren oder Teppichresten empfiehlt sich eine regelmäßige Sichtkontrolle des Klarlaufes auf Verunreinigungen. So kann eine sich erschöpfende Reinigungswirkung frühzeitig erkannt und gegengesteuert werden.
Im Fall des Absetzens in Sammelbehältern ist es empfehlenswert, genügend Absetzzeit einzuplanen und das Absetzverhalten gegebenenfalls durch Flockungsmittel zu unterstützen. Dies hat darüber hinaus den Vorteil, den Mitnahmeeffekt für Schadstoffe aus dem Abwasser in den Schlamm zu verstärken. Vor der nächsten Nutzung des Absetzbehälters sollte auf ein gründliches Entfernen des abgesetzten Schlamms ohne erneuten Eintrag ins Abwasser geachtet werden.
Sofern weitergehende Abwasserbehandlungsanlagen eingesetzt werden müssen, lohnt es sich bei deren Auswahl auf die Möglichkeit der erneuten Nutzung des gereinigten Abwassers zu achten. Durch Kreislaufführung lassen sich hier erfahrungsgemäß 30-50% Frischwasser sparen!
Insgesamt empfiehlt es sich, die Abwasserbehandlung gut zu organisieren und mit der Abwasseraufbereitung zeitnah zu verknüpfen. Damit kann man sich längerfristiges Zwischenspeichern des Abwassers (Platz, Behälter) sowie eventuell damit verbundene Probleme (Geruchsentwicklung, erhöhter Reinigungsaufwand der Behälter) ersparen.
Bei großen Flächen und schwierigen Untergründen lohnt es sich, die größere Effektivität eines spezialisierten Fachbetriebs zu nutzen.
Tipps zum verbesserten Lärmschutz bei der Fassadenreinigung, beispielsweise bei den Kompressoren, finden Sie auf der Seite Maler und Stuckateure > Tätigkeitsbereiche > Untergrundvorbereitung > Strahlen.
Reinigen asbesthaltiger Fassadenverkleidungen
Ein spezieller Fall ist das Reinigen asbesthaltiger Fassadenverkleidungen. Dieses kann ausnahmsweise erfolgen, wenn für die Reinigungsarbeiten ein geschlossenes Sprüh-Saug-System ("Asbest-Krake") eingesetzt wird, das eine Faserfreisetzung sicher vermeidet. Ein solches System wird beispielsweise von der Fa.Storch unter der Bezeichnung "Abbeizkrake" angeboten. Dieses System darf jedoch nur von Betrieben eingesetzt werden, die eine Sachkunde nach der TRGS 519 besitzen. Auch das übliche Anzeigeverfahren für Asbestarbeiten ist einzuhalten.
Generell ist es in solchen Fällen sinnvoll, sich als Alternative zum Reinigen solcher Fassaden einen Neuaufbau in Verbindung mit dem Anbringen eines modernen Wärmedämmverbundsystems zu überlegen. Ist der Kunde damit einverstanden, lassen sich sowohl zukünftig höhere Entsorgungskosten für die asbesthaltigen Fassadenplatten sparen, als auch die Vorteile der energetischen Aufwertung der Fassade nutzen.
Weitere Informationen zur Fassadenreinigung finden Sie hier: