Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
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Lagerung umweltgefährlicher Stoffe

Kleinbetriebe können den Aufwand bei der Lagerung gefährliche Stoffe erheblich verringern. Sie müssen nur darauf achten, dass die Lagermengen bestimmte Größenordnungen nicht überschreiten. Neben technischen Maßnahmen bleibt beim Umgang mit gefährlichen Stoffen das Mitarbeiterverhalten zentral.
Das Lagern von Stoffen und Materialien ist ein Risiko für die Umwelt. Denn eine Vielzahl der in Maler- und Stuckateurbetrieben verwendeten Stoffe und Materialien besitzen Eigenschaften, die bei unsachgemäßem Umgang die Gesundheit und die Umwelt schädigen können.

Wesentliche Gefährdungen bei unsachgemäßer Lagerung solcher Stoffe sind:
  • Flüssige Stoffe gelangen in die Kanalisation oder den Boden.
  • Schädliche Dämpfe und Stäube gelangen in die Luft.
  • Abgase und Schäden entstehen durch Brand- oder Explosion.
Welche Stoffe und Materialien betroffen sind, kann anhand der Gebindekennzeichnungen (die Gefahrensymbole) und den Stoffinformationen der Hersteller (EG-Sicherheitsdatenblätter) erkannt werden.
Um diese Gefahren zu vermeiden, hat der Gesetzgeber eine Reihe von Vorgaben erlassen, die hauptsächlich für den Gewässerschutz und den Brandschutz gelten.

Gewässerschutz

Hier geht es vom Grundsatz her darum, die wassergefährdenden Stoffe sicher umschlossen zu halten und ihr unkontrolliertes Austreten aus Lagerbehältern und Maschinen zu vermeiden.

Grundsätzliche Regeln

Lagerbehälter müssen dicht, standsicher und ausreichend widerstandsfähig sein sowie vor Beschädigungen geschützt aufgestellt werden.

Die gelieferten Gebinde haben im Normalfall über die Transportbehälterzulassung die notwendige Eignung. Bedeutung erhält dieser Punkt, wenn gebrauchte Behälter innerbetrieblich für neue Zwecke genutzt werden.

Sofern Gefahrstoffe in andere Gebinde abgefüllt werden, muss sichergestellt sein, dass diese Gebinde mit den passenden Gefahrensymbolen und -hinweisen versehen werden (beispielsweise Behälter für Altverdünnung). Dadurch soll verhindert werden, dass gefährliche Reaktionen von Produktresten mit eingefüllten Stoffen ablaufen.

Auffangräume und -wannen
Beispiel Kleingebinderegal mit Auffangwanne
Bei der geschützten Aufstellung sollte auf einen Anfahrschutz und eine möglichst geringe Fallhöhe bzw. eine Absturzsicherung geachtet werden.

Undichtigkeiten müssen schnell und zuverlässig erkennbar sein. Dazu dienen Auffangwannen oder Auffangräume mit Gefälle zu einem Sammelpunkt. Regelmäßige Kontrollgänge machen Sinn.

Für ausgetretene Stoffe muss deren Rückhaltung und ordnungsgemäße Entsorgung gewährleistet sein. Auch hierzu dienen Auffangmöglichkeiten wie Auffangwannen, -räume oder Aufkantungen im Bodenbereich. Oft sind spezielle Fußbodenbeschichtungen erforderlich, um ein Versickern der gefährlichen Flüssigkeiten zu verhindern.

Bei der Aufnahme zurückgehaltener Stoffmengen muss sichergestellt sein, dass die gefährlichen Eigenschaften der Stoffe beachtet werden. Dazu gehören neben der Schulung der Mitarbeiter auch das Verwenden geeigneter Bindemittel, persönlicher Schutzausrüstungen und geeigneter Sammelbehälter.

Die Auffangräume dürfen keine Abläufe haben. Dieser Punkt ist besonders wichtig, falls Räume zur Lagerung gefährlicher Stoffe umgenutzt werden. Oft ist die Umnutzung von Räumlichkeiten mit der Erfordernis einer baurechtlichen Genehmigung verbunden.

Die Anforderungen an Anlagen werden durch die VAwS festgelegt.

Für das Gebindelager ist grundsätzlich eine Betriebsanweisung zu erstellen. Sie sollte alle wichtigen Punkte für den täglichen Umgang mit den gelagerten Stoffen sowie für das richtige Verhalten bei deren Austritt enthalten. Sie kann auch als Ergänzung zu den Betriebsanweisungen nach Gefahrstoffrecht aufgebaut werden.

Gefährdungsstufe A ist das Ziel

In Abhängigkeit von der Menge der gelagerten wassergefährdenden Stoffe und deren Wassergefährdungsklasse (WGK) werden die Lager in Gefährdungsstufen eingeteilt:

WGK
Volumen in m3 (0,1 entspricht 100 Liter)
  WGK 1    WGK 2    WGK 3 
               0,1  Stufe A   Stufe A   Stufe A 
 > 0,1  bis 1,0  Stufe A   Stufe A   Stufe B 

 > 1,0  bis 10

 Stufe A   Stufe B   Stufe C 
 > 10   bis 100  Stufe A   Stufe C   Stufe D 
 > 100 bis 1000   Stufe B   Stufe D   Stufe D 
 > 1000  Stufe C   Stufe D   Stufe D
Tabelle: Gefährdungsstufen von Lagern

Für Maler- und Stuckateurbetriebe lohnt es sich, die Lagerung der wassergefährdenden Stoffe so zu organisieren, dass diese innerhalb der Gefährdungsstufe A bleibt. Dadurch ergeben sich Erleichterungen hinsichtlich Lageranforderung und Prüfpflichten.

Beim Berechnen der Lagermengen muss das Volumen der Gebinde ohne Berücksichtigung des realen Füllungsgrades angesetzt werden. Das heißt, ein 30-Liter-Kanister mit 5 Liter Restinhalt geht mit 30 Litern in die Berechnung mit ein.

Wird die Gefährdungsstufe A überschritten, so ergeben sich weitere Anforderungen, wie Prüfungen durch Sachverständige. In diesen Fällen sollte eine qualifizierte Fachberatung in Anspruch genommen werden. Dies gilt insbesondere bei größeren Lagern mit Mengen von über 10 Tonnen brennbarer und entzündlicher Stoffe, da diese als überwachungsbedürftige Anlagen nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) besonderen Vorschriften unterliegen.

Brandschutz

Der Brandschutz soll das Entstehen brennbarer/explosionsfähiger Gemische verhindern, die Brandlast begrenzen und die Brandwirkungen gering halten.
Die rein technischen Maßnahmen, wie eine feuerbeständige Bauweise des Lagers, Feuerlöscher, das Abführen von brennbaren/explosionsfähigen Gemischen sowie elektrischer Potenzialausgleich bilden das Fundament für organisatorische Maßnahmen:
  • Begrenzen der Lagermengen an brennbaren und entzündlichen Stoffen auf das unbedingt notwendige Maß
  • regelmäßiges Durchforsten der Bestände und Entsorgen von Stoffen, die nicht mehr gebraucht werden
  • Erstellen einer Betriebsanweisung
  • Kennzeichnung der gefährlichen Bereiche und der Löscheinrichtungen mit Sicherheitshinweisen
  • Einlagern nur bei bekannten Stoffeigenschaften
  • Keine Lagerung gefährlicher Stoffe auf Treppen, Fluren, Fluchtwegen, Arbeitsbereichen und Dachräumen
Darüber hinaus sind beim Lagern unterschiedlicher gefährlicher Stoffe Zusammenlagerungsvorschriften zu beachten. Maler- und Stuckateurbetriebe betrifft dies bei Gasflaschen. Für eine erste Abschätzung der Zusammenlagerungsmöglichkeiten kann das Lagerkonzept des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) herangezogen werden. Ansonsten sollte die Hilfe eines Fachberaters in Anspruch genommen werden.

Weitere Informationen erhalten Sie im Kapitel Brandschutz.

Lagerung von Flüssiggasflaschen

Die Gefahren eines unkontrollierten Gasaustritt führen zu rechtlichen Sicherheitsvorgaben, die sich wie folgt organisatorisch auswirken:
    Gasflasche
  • Der Lagerort sollte so gewählt werden, dass austretendes Gas sich nicht in tiefer gelegenen Bereichen wie Treppenräumen, Kellern und Gruben ansammelt. Der Grund: Flüssiggas ist schwerer als Luft.
  • Lagerung der Gasflaschen mit ausreichendem Abstand zu Hitzequellen (z.B. Raumheizungen, Wärmestrahler)
  • Sichern der Gasflaschen vor unbefugtem Zugriff (insbesondere bei der Lagerung im Freien mit abschließbaren Gitterboxen).
  • Schulen der Mitarbeiter im richtigen Verhalten bei festgestelltem Gasaustritt („Knoblauchgeruch“). Auch Vorbeugung ist wichtig, beispielsweise durch Schulungen zum richtigen Handhaben der Ventile, zur regelmäßigen Wartung der Schläuche und zum Verwenden der Schutzkappen beim Transport.
Lagern giftiger Stoffe

Bei der Lagerung giftiger Stoffe (beispielsweise Holzschutzmittel) geht es darum, diese vor unbefugtem Zugriff zu sichern. Eine verschlossene Lagertür mit Kennzeichnung sowie die Einweisung der Mitarbeiter, die mit diesen Stoffen umgehen, sind grundlegende Maßnahmen. Die Lagerung sollte zudem getrennt von anderen gefährlichen Stoffen erfolgen.

 Warnzeichen Warnung vor giftigen Stoffen (W 03)Über alle Gefahreneigenschaften hinweg ist die grundlegende Sicherheitsmaßnahme, die Lagermengen solcher Stoffe auf das Maß zu beschränken, das für einen Arbeitsablauf unbedingt erforderlich ist. Dazu bietet es sich an, die kurzfristige Lieferung an den Betrieb und die Direktanlieferung auf die Baustelle zu nutzen. In Verbindung mit einer funktionierenden Betriebsorganisation zum Umgang mit diesen Stoffen lässt sich sowohl finanzieller Aufwand bei den Lagereinrichtungen als auch organisatorischer Aufwand bei Kontrollen und Schulungen einsparen.

Dauerhafte Sicherheit beim Lagern: Mitarbeiterschulung

Neben allen technischen Vorkehrungen und Sicherheitsmaßnahmen bleibt dennoch das Mitarbeiterverhalten zentral. Schulungen sollten besonders auf die nicht alltägliche Situation des ungewollten Austritts von gefährlichen Stoffen zielen. Dabei hilft das konkrete Üben von Notfallmaßnahmen mehr als alle Erklärungen anhand von Ermahnungen, Betriebsanweisungen und Filmen. In der praktischen Umsetzung zeigt sich am ehesten, ob die Betroffenen alles verstanden haben und wissen, was wie und in welcher Reihenfolge zu tun ist. Das Üben senkt die Hemmschwelle im Fall des Falles einzugreifen.

Praktische „Trockenübungen“ sind: die Aufnahme ausgelaufener Flüssigkeiten, das Löschen mit Feuerlöschern oder das Umfüllen beschädigter Behälter.

Trotz aller Schulungen ist es selbstverständlich, dass die Lagerung der umweltgefährlichen Stoffe immer wieder kontrolliert, den Betroffenen neu vermittelt und an geänderte Vorgaben angepasst werden muss. Hierzu ist es empfehlenswert, sich als Verantwortlicher durch beauftragte Mitarbeiter zu entlasten. Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel Verantwortlichkeiten.

Weitere Informationen erhalten Sie im Kapitel Anforderungen an Anlagen.

Glossar

BetrSichV
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes
(Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV ).
Den Verordnungstext finden Sie hier.


Entsorgung
Unter Entsorgung von Abfällen wird sowohl die Beseitigung als auch die Verwertung von Abfällen verstanden.

Gefährliche Stoffe
Gefährliche Stoffe werden durch die Richtlinie 67/548/EWG für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe festgelegt. Seit dem 1. Dezember 2010 gelten für Stoffe geänderte Einstufungs- und Kennzeichnungsvorschriften. Für Gemische sind die neuen Regelungen ab dem 1. Juni 2015 anzuwenden. Die altbekannten Symbole und Begriffe werden nahezu komplett ersetzt. Die neuen Vorgaben werden durch die neue europäische Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (auch GHS-Verordnung genannt) festgelegt.

Sicherheitsdatenblätter
In den Sicherheitsdatenblättern für Gefahrstoffe befinden sich Hinweise zum Gefährdungspotenzial und zum sicheren Umgang mit den Stoffen. Aufbau und Inhalte sind seit dem 1. Juni 2007 durch die REACH-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe) vorgegeben. Davor galten die Maßgaben der EG-Richtlinie 91/155/EWG.

VAwS
Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und über Fachbetriebe (Anlagenverordnung wassergefährdende Stoffe - VAwS).
Den Verordnungstext finden sie hier.


Die Festlegung von Anforderungen an Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen war bisher den Ländern vorbehalten. Dies führte dazu, dass jedes Bundesland eine eigene Anlagenverordnung (VAwS) hat. Seit der zum 1. März 2010 in Kraft getretenen Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes sind Vollregelungen des Bundes möglich. Eine Bundes-VAwS liegt im Entwurf vor. Mit der Verabschiedung, die zu veränderten Anforderungen führen kann, ist im Verlauf des Jahres 2014 zu rechnen.



Wassergefährdende Stoffe
Wassergefährdende Stoffe im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) sind feste, flüssige und gasförmige Stoffe, insbesondere Säuren, Laugen, Mineralöle, flüssige sowie organische Verbindungen, Gifte, die geeignet sind, nachhaltig die physikalische, chemische oder biologische Beschaffenheit des Wassers nachteilig zu verändern. Die Zuordnung zu den Wassergefährdungsklassen 1, 2 und 3 erfolgt auf Grundlage der Verwaltungsvorschrift wassergefährdende Stoffe (VwVwS) unter Berücksichtigung der R-Sätze des Stoffes.  Die VwVwS enthält auch eine Liste, die Stoffen die jeweilige Wassergefährdungsklasse zuordnet. Künftig sollen Wassergefährdungsklassen durch die neue Bundes-VAwS festgelegt werden. Mit der neuen Vorschrift ist im Verlauf des Jahres 2014 zu rechnen.

Wassergefährdungsklasse (WGK)
Die Wassergefährdungsklasse (WGK) gibt an, ob ein Stoff Wasser dauerhaft schädlich verändern kann. Schwach wassergefährdende Stoffe (Scheibenreiniger, Bremsflüssigkeit) haben die WGK 1, wassergefährdende Stoffe (Diesel, Kaltreiniger, Motoröl) die WGK 2 und stark wassergefährdende Stoffe (Benzin, verunreinigtes Altöl) die WGK 3. Welche WGK einem Stoff zugeordnet wurde, erfahren Sie aus dem zum Stoff gehörenden Sicherheitsdatenblatt.

Die Zuordnung der Wassergefährdungsklassen 1, 2 und 3 erfolgt auf Grundlage der Verwaltungsvorschrift wassergefährdende Stoffe (VwVwS) unter Berücksichtigung der R-Sätze des Stoffes.  Die VwVwS beinhaltet auch eine Liste, die Stoffen die jeweilige Wassergefährdungsklasse zuordnet.

Künftig sollen Wassergefährdungsklassen durch die neue Bundes-VAwS festgelegt werden. Mit der neuen Vorschrift ist im Verlauf des Jahres 2014 zu rechnen.





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