Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
StartseiteSitemap Über unsKontaktNewsPartnerWichtige LinksVeranstaltungen    Notizzettel ImpressumDatenschutz Schmuckbild Rechts
 

Produktgestaltung

Die Gestaltung eines Produktes entscheidet ganz wesentlich über dessen Umweltauswirkungen über den gesamten Lebensweg:
  • Die Materialauswahl beeinflusst die Vorkette, angefangen bei der Rohstoffgewinnung. Sie entscheidet bei der Entsorgung darüber, ob die Materialien einfach und hochwertig verwertbar sind.
  • Die Qualität und die Art der Konstruktion beeinflusst die Nutzungsdauer sowie die Reparaturfreundlichkeit eines Produkts.
  • Die Art der Konstruktion, insbesondere die Verbindungstechnik, entscheiden darüber, ob die einzelnen Komponenten im Recyclingprozess einfach demontierbar sind.

Die umweltgerechte Produktgestaltung umfasst daher eine Reihe von technischen, aber auch logistischen und organisatorischen Aspekten.

Überblick zu produktorientierten Strategien

Es gibt eine Reihe von Aspekten, die bereits beim Entwurf eines Produktes beachtet werden sollten:

  • Produkte umweltfreundlich gestalten:
    • langlebig (insbesondere bei hochwertigen Produkten)
    • schadstoffminimierend (Einkaufsrichtlinien, Stoffverbots- und Stoffbeschränkungslisten entwickeln)
    • energieeffizient
    • reparierbar
    • aufrüstbar
    • modernisierbar
    • demontagefreundlich
    • verwertungsgerecht
  • Produkte aufrüsten und modernisieren (neue Komponenten entwickeln, testen und einbauen)
  • Produkte reparieren (Ersatzteillagerung, Service vor Ort organisieren)
  • Produkte aufarbeiten (Sammellogistik, Demontage, Verwertung)
  • Produkte hochwertig verwerten (Recyclingprozess ökologisch und ökonomisch optimieren)
  • den Nutzen von Produkten verkaufen (Vorfinanzierung der Produkte sicherstellen, Logistik bereitstellen, Kundeninformation)

Aus der Vielzahl der zu beachtenden Aspekte ergibt sich, dass die umweltgerechte Produktgestaltung eine Managementaufgabe ist, die nicht ausschließlich an die Entwicklungsabteilung delegiert werden kann.

Einige Beispiele für ökologische Ansätze

Aufrüstbarkeit von Produkten: Moderne Waschmaschinen haben einen weit geringeren Energie- und Wasserverbrauch als ältere Geräte. Daher war es bisher ökologisch oft sinnvoll eine neue Maschine zu kaufen, lange bevor die alte ihr physisches Lebensende erreicht hatte. Die ökologischen Vorteile waren jedoch weniger mit einer neuen Konstruktion der Maschine, als vielmehr mit der Optimierung der Waschprogramme verbunden.

Neue Maschinen sind daher inzwischen häufig mit einer elektronischen Steuerung ausgestattet, sodass zukünftig ökologische Optimierungen per Software-Update aufgespielt werden können.

Wiederaufbereitung von Produkten: Für Autoersatzteile (Austauschteile) sowie komplette Werkzeugmaschinen und Kopiergeräte ist es bereits heute bedeutsam, alte Produkte wiederaufzubereiten. Ist bei diesen Produkten die technische Lebensdauer vollständig ausgenutzt, werden sie zerlegt, ihre Einzelteile gereinigt, geprüft und sortiert. Einige Teile lassen sich direkt wieder verwenden, andere durchlaufen eine Bearbeitung, weitere werden durch Neuteile ersetzt. Dann erfolgt die Montage. Das Ergebnis sind Produkte, die bei deutlich reduziertem Rohstoffeinsatz dieselben Anforderungen erfüllen wie Neuprodukte. Die Aufarbeitung eines Kfz-Starters benötigt beispielsweise nur ein Elftel der Energie der Neuproduktion und ein Neuntel der Rohstoffmengen. Parallel schafft die Aufarbeitung Bedarf an menschlicher Arbeit, weil ihre einzelnen Arbeitsschritte sich zwar industriell durchführen, aber nur bedingt automatisieren lassen.

Beispiel Nutzenverkauf: Produzenten und Händler leben in erster Linie vom Verkauf ihrer Produkte. Sie haben daher zunächst kein absolut vorrangiges Interesse an deren Langlebigkeit. Verkaufen Unternehmen nun aber statt den Produkten den Nutzen und bleiben selbst Eigentümer, so erhalten sie vom Kunden regelmäßig zeit- und nutzungsorientierte Zahlungen. Je langlebiger ein Produkt, desto länger kann der Nutzenverkäufer damit Einnahmen erzielen. Auf der anderen Seite sind seine Kosten durch Reparaturen, Serviceleistungen und Austausch von defekten Geräten umso niedriger, je zuverlässiger seine Produkte sind. Gleichzeitig hat der Nutzenverkäufer ein Interesse, die Geräte aufzuarbeiten und zu modernisieren.

Nach diesem Dienstleistungsmodell sind Unternehmen unter bestimmten Umständen imstande, besonders wirtschaftlich zu arbeiten, wenn sie mit geringer Produktion und niedrigem Stoffdurchsatz langfristig eine auf dem Markt erwünschte Leistung bringen können. Dem Nutzenverkauf kommt bei der Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle zu, weil er die Maßnahmen zur ökologischen Effizienz mit einem ökonomischen Nutzen verbindet.

Ein großer Kopiergerätehersteller verleast Geräte nur noch. Damit bleibt er auch nach Ende der Erstnutzung Eigentümer der Geräte und erhält sie vom Verbraucher zurück. Die Altgeräte werden teilweise demontiert, die Verschleißteile werden ausgetauscht und das Gerät erhält eine neue Außenverkleidung. Anschließend wird es wieder als "Neugerät" auf den Markt gebracht. Die Aufbereitung des "Altgeräts" zu einem Neuen hat deutliche Kostenvorteile gegenüber der Neuproduktion.

Glossar

Entsorgung
Unter Entsorgung von Abfällen wird sowohl die Beseitigung als auch die Verwertung von Abfällen verstanden.

Umweltauswirkungen
Umweltauswirkungen sind alle positiven oder negativen Veränderungen der Umwelt, die ganz oder teilweise aufgrund der Tätigkeiten, Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens eintreten (Definition nach EMAS). Die negativen Wirkungen lassen sich in unterschiedliche Kategorien einteilen, wie beispielsweise Treibhauseffekt, Ozonabbau, Verbrauch von Ressourcen sowie Human- und Ökotoxizität.



Wie beurteilen Sie diesen Artikel?      hilfreich    
                    
  weniger hilfreich

Grafik Druck  Drucken       Grafik Notiz  Zum Notizzettel hinzufügen       Grafik Linkbox  Kommentare schreiben       Grafik Linkbox  Kommentare lesen (0)
 
 
Kommentare
Referentenbeitraege
Links
Literatur