Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
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Drucken und Verpacken - Kommunikation nachhaltig gestalten

Bild: Bogenoffsetdruck ohne Isopropanol
Heidelberger printmaster 74 ecocolor ohne IPA Quelle: Heidelberger Druckmaschinen AG, 2005
Trotz zunehmender Bedeutung elektronischer und audiovisueller Medien behalten Druckerzeugnisse ihren Stellenwert - sei es in der kommerziellen Werbung oder der unabhängigen Information.

Ressourcenschonung ist in der deutschen Druckindustrie ein bedeutendes Thema. Schließlich werden neben Folien, Weißblech und Aluminium jährlich weit mehr als 10 Millionen  Tonnen graphische Papiere und ein Teil der knapp 7 Millionen Tonnen Verpackungs-Papiere, -Kartons und -Pappen bedruckt. Hinzu kommen mehr als 200 000 Tonnen Druckfarbe pro Jahr. Somit liegt der stündliche Rohstoffverbrauch ohne Verpackungsmaterial schon bei über 1000 Tonnen.

Umweltentlastung ist neben einem effizienten Ressourceneinsatz für jeden Betrieb eine große Herausforderung: Es geht um den Ersatz schädlicher Stoffe durch weniger umweltbelastende Materialien sowie die Minimierung von Luftemissionen, Abwasserbelastungen und Abfallmengen.

Graphische Druckindustrie

In der graphischen Druckindustrie arbeiteten im Jahr 2004 rund 186 000 Beschäftigte in etwa 12 000 Betrieben. Der jährliche Umsatz der Branche wird auf 24 Milliarden Euro geschätzt. Es werden Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Kataloge, Geschäftsdrucksachen, Formulare, Poster, Kalender, Schilder und vieles mehr hergestellt.

Die dominierenden Druckverfahren und die verwendeten Lösemittel sind:
  • Illustrationstiefdruck (Lösemittel: Toluol)
  • Offsetdruck (Lösemittel: meist Isopropanol und Reinigungsbenzin)
  • Digitaldruck (diverse leichtflüchtige Lösemittel oder Trockentoner)
  • Siebdruck (diverse leichtflüchtige Lösemittel)
Die Branche ist durch kleine und mittlere Betriebe geprägt: In der graphischen Druckindustrie haben 84% aller Betriebe weniger als 20 Beschäftigte.

Verpackungsindustrie

Neben unbedruckten Verpackungen produziert ein Teil der rund 91 000 Beschäftigten in den 820 Betrieben der Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitenden Industrie auch Druckerzeugnisse wie Etiketten und Verpackungen. Die dafür eingesetzten Techniken und Lösemittel sind:
  • Flexodruck (Lösemittel: v.a. Ethylalkohol oder Wasser)
  • Verpackungstiefdruck (Lösemittel: v.a. Ethylalkohol oder Wasser)
  • Offsetdruck (Lösemittel: meist Isopropanol und Reinigungsbenzin)

Eine innovative Branche

Eine Vielzahl von Innovationen hat in den letzten Jahrzehnten zu großen Veränderung bei den verschiedenen Drucktechniken geführt. Viele Verfahren arbeiten heute wesentlich umweltfreundlicher als noch vor 30 Jahren. Für die Herstellung des gleichen Druckproduktes werden weniger Chemikalien benötigt, und es stehen umwelt- und gesundheitsfreundliche Farben, Zusatzstoffe sowie Reinigungsmittel zur Verfügung. Beim Bedruckstoff Papier kann dem Kunden eine gute Qualitäten mit hohem Weißegrad aus Recyclingfasern angeboten werden.

Zu den Erfolgen zählen vor allem die Umweltentlastung in der Druckvorstufe durch digitale Verfahren und die Verminderung der Lösemittelemissionen im Druckprozess. Für die nächsten Jahre sind die größten Herausforderungen die weitere Emissionsminderung, die Senkung des Energieverbrauchs und die Verwendung von Papier und Karton aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft oder Recyclingfasern (siehe Druckindustrie und Papierverarbeitung > Umweltcontrolling > Umweltziele).

Druckereien waren unter den ersten Betrieben, die Umweltmanagementsysteme eingeführt haben (siehe Wichtig für alle Branchen > Umweltmanagement). Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit ihren Ideen und Verbesserungsvorschlägen zu deren Erfolg beigetragen. Eine regelmäßige Überprüfung der EG-Öko-Audit-("EMAS-") oder ISO 14001-Systeme bedeutet, dass laufend weitere Möglichkeiten für Verbesserungen untersucht werden.

Zum Thema "Nachhaltige Entwicklung" hat der Bundesverband Druck und Medien eine Broschüre veröffentlicht, die erfolgreich umgesetzte Umweltschutzaktivitäten der Druckindustrie und Herausforderungen der Zukunft beschreibt. Sie kann bei den Landesverbänden der Druckindustrie bestellt werden.

Informationsangebote aktiv nutzen

Aufgrund der überwiegend klein- und mittelständischen Struktur der Druckindustrie ist es vielen Firmen nur schwer möglich, aktuelle Informationen über einen optimalen Umweltschutz zu erhalten. Daher sind die folgenden Seiten vor allem auf den Informationsbedarf kleiner und mittlerer Betriebe ausgerichtet und lassen den industriell organisierten Illustrationstiefdruck außen vor.

Optimierungen sind nicht nur mit einer Entlastung der Umwelt und einem erhöhten Gesundheitsschutz verbunden. Oft führen entsprechende Maßnahmen auch zu größerer Effizienz und zu Kosteneinsparungen. Dazu bedarf es lediglich eines engagierten Druckers, Produktions- bzw. Betriebsleiters oder Umweltschutzbeauftragten, der den Mut hat, sich mit einer Veränderung bestehender Prozesse zu beschäftigen.

Prüfen Sie die vorgestellten Maßnahmen und Beispiele auf Umsetzbarkeit in Ihrem Betrieb und setzen Sie sich eigene Ziele für künftige Verbesserungen.

Glossar

EMAS
Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (EMAS). EMAS bedeutet Eco-Management und Audit Scheme. Im deutschen Sprachgebrauch wird anstelle von EMAS oft der Begriff Öko- oder Umwelt-Audit benutzt. Die Begriffe sind gleichbedeutend.
Die Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 (EMAS III) ersetzte die mit Wirkung vom 11. Januar 2010 außer Kraft getretene Verordnung (EG) Nr.761/2001 (EMAS II-Verordnung).  

Den Verordnungstext finden Sie hier



ISO 14001 ff
ISO EN DIN der 14001 ff zur Gestaltung von Umweltmanagementsystemen.

Die umweltbezogenen Normen sind in der ISO 14001ff-Reihe enthalten. Sie regeln die Einführung eines Umweltmanagementsystems.

Im Zusammenhang mit dem Umweltmanagement sind die bedeutendsten Normen die

  • ISO 14001 Umweltmanagementsysteme - Spezifikation mit Anleitung zur Anwendung
  • ISO 14004 Umweltmanagementsysteme - Allgemeiner Leitfaden über Grundsätze, Systeme und Hilfsinstrumente.
  • EN ISO 19011:2002 Leitfaden für Audits von Qualitätsmanagement- und/oder Umweltmanagementsystemen
    Diese Norm ersetzt DIN EN ISO 14010 (Leitfäden für Umweltaudits - Allgemeine Grundsätze), DIN EN ISO 14011 (Leitfäden für Umweltaudits - Auditverfahren - Audit von Umweltmanagementsystemen) und DIN EN ISO 14012 (Leitfäden für Umweltaudits - Qualifikationskriterien für Umweltauditoren)
  • DIN EN ISO 14024 Umweltkennzeichnungen und -deklarationen - Umweltbezogene Kennzeichnung vom Typ I - Grundlagen und Verfahren
  • DIN EN ISO 14031 Umweltmanagement - Umweltleistungsbewertung – Leitlinien

Hinweis:
Alle Normen können über den Beuth-Verlag Berlin bestellt werden. Die Homepage des Verlags finden Sie hier.





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Letzter Kommentar von Roland Schestag:
Toluol ist nicht verboten und wird im Illustrationstiefdruck eingesetzt.

Toluol ist jedoch gesundheitsschädlich (Xn) und leichtentzündlich (F), bitte beachten Sie deshalb die Sicherheitshinweise, die beispielsweise in Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Toluol) näher ausgeführt werden.

Ihr IBU-Team

 
 
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