Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
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Dichtstoffe

Moderne, energiesparende Gebäudekonstruktionen stellen besondere Anforderungen an die Abdichtung von Fugen. Bei zunehmender Gebäudedämmung kommt der Luftdichtheit im Hinblick auf die Energieeinsparung wie auch die Bauschadensgefährdung eine besondere Bedeutung zu. Näheres zum Thema Luftdichtheit und Raumklima kann man auf der Seite Produktverantwortung > Gesundes Wohnen > Raumklima nachlesen.

Der konstruktive Aufbau der Anschlussfuge muss unter Beachtung des möglichen Bewegungsausgleiches zwei grundsätzliche Funktionen erfüllen:

  1. Schutz der Anschlussfuge und des Gebäudeinnern vor dem Außenklima und
  2. Schutz der Anschlussfuge vor dem Raumklima.

Dabei kommen je nach Anschlusssituation Dichtmassen, Kompribänder oder Folien zum Einsatz.

Zusammenfassung der Randbedingungen mit Mängelbericht (pdf, 565 KB)

Lage der Fugenebene

Während sich die Lage von Fugen bei Dampfbremsen und Fußböden automatisch ergibt, muss sie bei Fenstern und Außentüren festgelegt werden. Die Oberflächentemperatur an der Innenfuge sollte nicht unter 13 °C absinken. Ansonsten sind auf der Fugenoberfläche Schimmel und Tauwasserprobleme zu erwarten.

Bild: Dichtungsebenen bei der Fenstermontage
Ebenen für Dichtstoffe

Bei einschaligem Wandaufbau sollte die Einbauposition der Fenster bzw. Haustüren im mittleren Drittel der Wand liegen.

Bei außenseitiger Gebäudedämmung sollte der Blendrahmen außenbündig zum Mauerwerk gesetzt werden. Der Rahmen verbleibt dann ausreichend im warmen Bereich, kann überdämmt werden und lässt sich leichter befestigen.

Dimensionierung der Fuge

Die Dimensionierung von Gebäudedehnungsfugen ist maßgeblich abhängig vom statisch-konstruktiven Konzept des jeweiligen Bauwerks. Die exakte Fugenbemessung ist Bestandteil der Bauwerksplanung und somit Aufgabe des Architekten. Die erforderliche Fugenbreite ist von den folgenden Einflussfaktoren abhängig:

  • Thermisch bedingte Bauteilbewegungen
  • Abstand der Bewegungsfugen zueinander
  • Quell- und Trocknungsbewegungen der Bauteile
  • Setzungsbewegungen
  • Feuchtigkeitsbedingte Längenänderung der Bauteile
  • Fabrikationstoleranz der Bauteile
  • Ausführungstoleranz der Bauteile
  • Zulässige Stauchung und Dehnung des Fugendichtungsmaterials

Fugenfüllmaterialien, z.B. Montageschäume, sind aufgrund ihrer Eigenschaften nicht oder nur in begrenztem Maße in der Lage, Schwind- und Quellbewegungen sowie andere Bauteilverformungen aufzunehmen und deshalb nicht zur Herstellung der erforderlichen Luftdichtheit geeignet. Fugendichtungsmassen müssen entsprechend ihrer Dehnung und den zu erwartenden Bewegungen der angrenzenden Bauteile dimensioniert werden.

Die Fugenbreite wird bestimmt durch die temperatur- und feuchtigkeitsbedingten Maßänderungen der Rahmenprofile sowie das Dehnungsverhalten der Fugendichtstoffe.

Der Bundesverband Wintergarten e.V. hat das Merkblatt 24 „Fugenabdichtungen mit spritzbaren Dichtstoffen und vorkomprimierten Dichtungsbändern sowie Montageklebstoffen im Wintergarten“ vorgelegt.  Damit werden die Anforderungen der neuen EN 15651 „Fugendichtstoffe für nicht tragende Anwendungen in Gebäuden“ umgesetzt, um eine regelgerechte Abdichtung im Wintergartenbau auszuführen ist und welche Anforderungen die dafür eingesetzten Dichtstoffmaterialien zu erfüllen haben.

Funktionen

Die Fugenabdichtung muss eine Vielzahl von Funktionen übernehmen:

  • Wärmeschutz
  • Winddichtigkeit
  • Schallschutz
  • Tauwasserschutz
  • Brandschutz
  • Schlagregenschutz
  • Temperaturbeständigkeit

Wärmeschutz

Die Wärme kann entweder mittels Wärmeleitung durch die Baustoffe (Transmission) oder durch Luftströmungen (Konvektion) nach draußen entweichen.

Zur Verringerung des Transmissionswärmeverlustes sollte der Wärmedurchgangskoeffizient der Fuge maximal genauso groß wie der des angrenzenden Bauteils sein.

Winddichtigkeit

Wird ein Gebäude vom Wind angeströmt, so besteht zwischen dem Rauminneren und der vor dem Gebäude angestauten Außenluft eine Druckdifferenz. Infolge dieser Druckdifferenz strömt Luft durch undichte Fugen, wodurch ein Wärmeverlust verursacht wird. Darüber hinaus wird die Luftbewegung im Fugenbereich als Zug empfunden. Die Luftdurchlässigkeit (Winddichtigkeit) einer Fugenkonstruktion wird durch den Fugendurchlasskoeffizienten a gekennzeichnet. Der a-Wert gibt an, wie viel Kubikmeter Luft in einer Stunde durch eine 1 m lange Fuge bei einer Druckdifferenz von 1 daPa hindurchströmt.

Die Fugendurchlasskoeffizienten für außen liegende Fenster betragen bei Gebäuden bis zu 2 Vollgeschossen,
- Beanspruchungsgruppe A: a < 2,0m³/(h · m · (daPa)²/³)

und bei Gebäuden mit mehr als 2 Vollgeschossen
- Beanspruchungsgruppe B und C: a < 1,0m³/(h · m · (daPa)²/³)

Schallschutz

Die Ausbildung der Fugen beeinflusst in erheblichem Umfang die Schalldämmung des eingebauten Bauteils. Gerade hohe Töne werden durch fehlerhafte Fugenausbildung übertragen. Die Fugen müssen entsprechend den Herstellervorgaben ausgebildet werden, damit die Schalldämmung der Fugen dem des Bauteils entspricht.

Tauwasserschutz

Zur Vermeidung von Tauwasser in der Anschlussfuge sind zwei Prinzipien zu beachten:

Raumseitig ist eine relativ dampfdichte Ausbildung (Baustoffe mit einer hohen Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl) vorteilhaft, da Wasserdampf dann nur in sehr geringem Umfang in den Außenbauteilquerschnitt gelangen kann.

Außenseitig sind möglichst diffusionsoffene Baustoffe (niedrige Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl) zu wählen, damit Wasserdampf, welcher im Winter bestrebt ist, von innen nach außen zu diffundieren, nicht im Querschnitt gehalten wird, sondern an die Außenluft gelangen kann.

Entsprechend den Vorgaben der DIN 4108-3 muss der Wasserdampfdiffusionswiderstand der Dichtungsebenen innen und außen aufeinander abgestimmt sein. Die außenseitige Dichtung sollte möglichst diffusionsoffen, aber regendicht ausgeführt sein. Der Diffusionswiderstand der inneren Dichte sollte um den Faktor 6 - 10 höher ausgelegt sein als der der Außendichtung.

Schlagregenschutz

Fugen in Außenbauteilen werden durch Schlagregen (Regen in Verbindung mit Winddruck) beansprucht. Hierbei muss sichergestellt werden, dass das Eindringen von Niederschlagswasser in die Fugenkonstruktion vermieden wird. Die Prüfung zur Wirksamkeit der Fugenabdichtung erfolgt auf Basis der Norm DIN EN 12 208. Hierbei wird die Fugenkonstruktion in die Beanspruchungsklassen 0 bis 9A bzw. 0 bis 7B eingeteilt. Die jeweils erforderliche Beanspruchungsgruppe wird vom Planer vorgegeben.

Tabelle: Klassifizierung  Schlagregendichtheit

Klasse Prüfdruck in Pa Verfahren A Verfahren B
0 - nicht geprüft nicht geprüft
1 0 1A 1B
2 50 2A 2B
3 100 3A 3B
4 150 4A 4B
5 200 5A 5B
6 250 6A 6B
7 300 7A 7B
8 450 8A -
9 600 9A -
Quelle: in Anlehnung an DIN EN 12208

Das Verfahren A ist für Produkt geeignet, die nicht geschützt sind, Verfahren B für Produkte, die teilweise geschützt sind.

Brandschutz

Die Beständigkeit von Rauch- und Brandschutzbauteilen wird immer in einer konkreten Einbausituation geprüft. Die Gültigkeit des vergebenen Zertifikats hängt somit auch von der korrekten Montage und Fugenausbildung ab. Entsprechend den Herstellervorgaben müssen sich Betriebe zunächst schulen lassen, damit sie den ordnungsgemäßen Einbau des Rauch- oder Brandschutzelementes nachweisen können.

Temperaturbeständigkeit

Fugenabdichtungen müssen ihrer Funktion sowohl bei niedrigen Temperaturen als auch bei hohen Temperaturen gerecht werden. Die auftretenden Oberflächentemperaturen von Außenbauteilen sind je nach Himmelsrichtung und Oberflächenfarbgebung unterschiedlich.

Im Temperaturbereich von - 25 °C bis +50 °C muss die Fugenabdichtung ihre Funktion erfüllen. Insbesondere bei hohen Temperaturen darf es nicht zu einem Austreten von Inhaltsstoffen aus dem Dichtungsmaterial kommen.

Zusatzanforderungen

Neben den Grundanforderungen, die der Dichtstoff für den Baukörperanschluss aufweisen muss, sind je nach Einsatz weitere zusätzliche Anforderungen notwendig, um eine ausreichende Verträglichkeit mit angrenzenden Baumaterialien sicherzustellen:

Tabelle: Zusatzanforderungen Dichtstoffe im Außenbereich

Klassifikation Klasse
Dichtstoffe mit einem Dehnspannungswert von max. 0,20 N/mm² bei 25 % Dehnung La
Dichtstoffe mit einem Dehnspannungswert von max. 0,30 N/mm² bei 25 % Dehnung Ha
Verträglichkeit mit Natursteinen N
Anstrichverträglichkeit
- zwischen vorhandener Beschichtung und nachfolgendem Dichtstoff
- zwischen Dichtstoff und nachfolgende angrenzende Beschichtung
- zwischen Dichtstoff und vollflächiger Beschichtung

A1
A2
A3
Quelle: IVD-Merkblatt Nr. 9, Dichtstoffe in der Anschlussfuge, Februar 1997

Tabelle: Zusatzanforderungen Dichtstoffe im Innenbereich

Klassifikation Klasse
Dichtstoffe mit einem Dehnspannungswert von max. 0,20 N/mm² bei 15 % Dehnung Li
Dichtstoffe mit einem Dehnspannungswert von max. 0,30 N/mm² bei 15 % Dehnung Hi
Verträglichkeit mit Natursteinen N
Anstrichverträglichkeit
- zwischen vorhandener Beschichtung und nachfolgendem Dichtstoff
- zwischen Dichtstoff und nachfolgende angrenzende Beschichtung
- zwischen Dichtstoff und vollflächiger Beschichtung

A1
A2
A3
Quelle: IVD-Merkblatt Nr. 9, Dichtstoffe in der Anschlussfuge, Februar 1997
 

Gesundheitliche Bewertung

Blauer Engel DichtstoffeDichtstoffe werden nach AgBB-Schema im Rahmen der Vergabe des Umweltzeichens Blauer Engel RAL-UZ 123 "Emissionsarme Dichtstoffe für den Innenraum" bewertet. Hier gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Herstellern, deren Produkte nachgewissener Maßen wenig zu einer Belastung der Innenraumluft beitragen. Sie enthalten keine giftigen, krebserzeugenden oder erbgutschädigenden Stoffe. Die enthaltenen organischen Lösemittel unterschreiten nach dem AgBB-Schema alle wesentlichen Grenzwerte. Weitere Hinweise zum Blauen-Engel finden sich unter Materialien > Materialeinkauf > Umweltzeichen.

Glossar

diffusionsoffen - diffusionsdicht
Der Diffusionswiderstand wird als sD-Wert gemessen. Er gibt an, um wie viel der jeweilige Stoff dichter ist als Luft. Ein diffusionsoffenes Material hat einen sD-Wert  von weniger als 0,2 m. Feuchteunterschiede zu beiden Seiten der Schicht können sich schnell ausgleichen.

Diffusionsdichte Schichten mit einem sD-Wert von mehr als 1500 m schotten hingegen ab und lassen nur sehr wenig Feuchtigkeit durch.



Wasserdampfdiffusionswiderstand
Der Wasserdampfdiffusionswiderstand beschreibt als Materialkonstante die dampfbremsende Wirkung der einzelnen Baustoffe. Der Widerstand wird dabei als Verhältniszahl angegeben bezogen auf den Diffusionswiderstand von Luft.



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