Stoffgruppen und Inhaltsstoffe von Reinigungs- und Pflegemitteln

Die Unterhaltsreinigung bildet mit über 70% der Tätigkeiten in den meisten Gebäudereinigungsunternehmen den Schwerpunkt der Arbeiten. Empfehlungen zur Auswahl bzw. Verwendbarkeit von Chemikalien für alle Tätigkeitsfelder der Reinigung- und Pflegearbeiten zu geben ist im Rahmen dieser Informationen nicht machbar. In der folgenden Aufstellung wird gezeigt, welche Stoffgruppen unter der Berücksichtigung von Umwelt- und Gesundheits(Arbeits-)schutz für die Unterhaltsreinigung empfohlen bzw. gemieden werden sollten.

Tabelle: Stoffgruppen für die Unterhaltsreinigung 

Produktgruppe wesentliche Inhaltsstoffe  Bemerkung Bewertung
Alkoholreiniger meist Isopropanol bis 30% und Tenside  auf geringstmögliche Dosierung achten, nur mit kaltem Wasser verwendbar  empfehlenswert 
Allzweckreiniger (Neutralreiniger) Tenside 10 - 20%, z.T. Ammoniak bei starker Verschmutzung nur empfehlenswert, wenn Alkoholreiniger nicht ausreichend 
Seifenreiniger  Tenside (Seifen)  für die schonende Bodenreinigung, Grundreinigung nicht erforderlich  empfehlenswert bei häufigem Nasswischen 
Scheuermittel  Tenside und abrasive Stoffe, Soda nur bei hartnäckigen Verschmutzungen nur ohne Bleichmittel und Phosphat empfehlenswert 
Saure Reinigungsmittel  Säuren, Tenside  zur Entfernung von Kalk- und Urinablagerungen, Rostbefall  sanfte Säuren (z.B. Zitronensäure, Amidosulfonsäure) empfehlenswert 
alkalische Reinigungsmittel Laugen, Tenside  zur Entfernung von organischen Verschmutzungen wie Fette, Eiweiß, Farben und Kleber  Natriummetasilikat akzeptabel; Konzentrat von Ammoniak, Kalium- und Natriumhydroxid sollte < 1% betragen 
Darstellung in Anlehnung an: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Schwamm drüber - Umweltschonende und gesundheitsbewusste Reinigung in öffentlichen Einrichtungen - Münster, 1997

Als Ergänzung zu den Empfehlungen zeigt folgende Auflistung die Eigenschaften von häufig in Reinigungs- und Pflegemitteln vorkommenden Stoffgruppen und Inhaltsstoffen und beurteilt sie nach ihrem Gefährdungspotenzial für Umwelt und Gesundheit. Mit den Angaben der Tabelle sind Stoffdatenblätter, Produktbeschreibungen und ökologische Beurteilungen leichter lesbar. Die Beurteilung der Stoffzubereitungen wird erleichtert und die umweltrelevante Einstufung von Inhaltsstoffen verständlicher.

Tabelle: Eigenschaften und umweltbezogene Beurteilung von in Reinigungs- und Pflegemitteln enthaltene Chemikalien

Stoffe/Stoffgruppen Eigenschaften Beurteilung 
Tenside schmutzlösende Stoffe, die sich an der Grenzfläche Material/Wasser ansetzen und so z.B. den Schmutz aus dem Material lösen und in das Wasser überführen. Tenside sind im Wasser unerwünscht, da sie sich an den Oberflächen von Organen anlagern und dadurch z.B. bei Fischen die Atmung beeinträchtigen  Sofern in kurzer Zeit biologisch abbaubar, sind die Stoffe unbedenklich. Nicht die gesetzlich vorgeschriebene Primärabbaubarkeit (nach der Tensidverordnung 80%), sondern die Totalabbaubarkeit zu Kohlendioxid, Wasser und anderen unbedenklichen Stoffen ist entscheidend für die Umweltverträglichkeit  
Anionische Tenside Am häufigsten in Reinigungsmitteln eingesetzte, negativ geladene Tenside. Typische Vertreter: Seifen, lineare Alkylbenzolsulfonate (LAS), sekundäre Alkansulfate (SAS), Fettalkoholsulfate (FAS) und Fettalkoholethersulfate (FES)   Seifen sind ökologisch am verträglichsten, können leicht aus dem Abwasser entfernt werden und sind biologisch gut abbaubar. LAS sind in dieser Gruppe biologisch am schwersten abbaubar. 
Nichtionische Tenside  Häufig zusammen mit anionischen Tensiden vorkommende, elektrisch nicht geladene Tenside. Wichtigste Vertreter: Alkoholethoxylate, Alkylphenolethoxylate (APEO) Abbauprodukte der APEO-Tenside sind fischtoxischer als Tenside selbst. Nach Selbstverpflichtung der Industrie werden in Deutschland APEO-Tenside nicht mehr verwendet. Reinigungsmittel, die APEO-Tenside enthalten, sollten keinesfalls verwendet, sondern sachgerecht entsorgt werden. 
Kationische Tenside Positiv geladene Tenside ohne Waschwirkung. Wichtigste Vertreter: quarternäre Ammoniumsalze und Immidazoliniumverbindungen. Verwendung in Weichspülern und Desinfektionsmitteln  Bilden in Verbindung mit anderen Substanzen unlösliche, für Wasserlebewesen hochgiftige Substanzen, die sich im Klärschlamm anreichern. Bei Hautkontakt allergieauslösend. Soltten nicht verwendet werden.
Amphotere Tenside  keine Verwendung in Reinigungsmitteln  
Gerüststoffe (Builder)  Dienen der Enthärtung von Wasser zur verbesserten Wirksamkeit von Tensiden. Verhindern Kalkablagerungen, verbessern die Schmutzlösung und halten den gelösten Schmutz in Schwebe  Teilweise unbedenklich (Einzelstoff beachten) 
Phosphate Binden für die Wasserhärte entscheidene Magnesium- und Calcium-Ionen. Verstärken die Wirkung von Tensiden.  Überdüngung von Gewässern. Wegen Sauerstoffaufzehrung werden Wasserlebewesen beeinträchtigt. Phosphatanteil bis 1% wird als akzeptabel angesehen. 
Zeolith (Natriumaluminiumsilikat) Gibt im Wasser Natrium ab und bindet Magnesium und Calcium. Wirkt damit als Wasserenthärter  unbedenklicher Stoff 
Phosphonate s. Phosphate. Wesentlich höheres Kalkbindungsvermögen  Nur sehr langsam abbaubar und daher in Kläranlagen nur zum Teil aus dem Wasser zu entfernen. In sehr geringen Konzentrationen tolerabel. Tragen zur Überdüngung der Gewässer bei. Zeolithe und Citrate günstiger. 
EDTA (Ethylendiamintetraacetat) Sehr schlecht abbaubarer, starker Komplexbildner  Mobilisieren im Flusssediment abgelagerte hochgiftige Schwermetalle. Diese beeinträchtigen über die Nahrungskette die menschliche Gesundheit. Sollten in Reinigungsmitteln nicht enthalten sein.  

NTA (Nitrilotriacetat)

Etwas leichter abbaubar als EDTA. Wirkung ist identisch.  Sollte nur in geringsten Konzentrationen < 1% in Reinigungsmitteln enthalten sein. 
Citrat Schwach komplexbildendes Salz der Zitronensäure  ökologisch unbedenklich 
Polycarbonsäuren Schlecht abbaubare Substanzen zur Stützung anderer Komplexbildner  Nicht toxisch für Wasserlebewesen; lagert sich im Klärschlamm an. 
Bleichmittel Dienen der Fleckentfernung durch Zerstörung der Farbstoffe  Wegen überwiegend negativer Wirkung sollte auf Bleichmittel möglichst verzichtet werden. 
Chlorabspalter  Bleichmittel auf Chlorbasis. Verwendung in Sanitärreinigern, Scheuerpulvern, Rohrreinigern, Desinfektionsreinigern und Maschinenspülmittel. Wichtigster Vertreter: Natriumhypochlorid. Gefahr durch Chlorgasbildung bei gleichzeitiger Verwendung von sauren Sanitärreinigern  Stark abwasserbelastend durch Bildung von stark wassergefährdenden Chlorkohlenwasserstoffen (CKW), die nahezu nicht abbaubar sind. Werden über die Nahrungskette auch von Menschen aufgenommen, im Fettgewebe angelagert und können zu Nieren-, Leber- und Lungenschäden sowie Schädigungen des Nervensystems führen. CKW stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Verätzungen von Haut und Atemwegen durch Chlorgas möglich. Substanzen sollten in Reinigungsmitteln nicht enthalten sein. 
Sauersstoffabspalter  Bleichmittel auf Sauerstoffbasis. Verwendung in Waschmitteln, Maschinenspülmittel, Allzweckreinigern und Scheuermitteln. Wichtigste Vertreter: Perborat und Percarborate. Beim Bleichen werden Sauerstoff und andere Substanzen freigesetzt.  Bei Sauerstofffreisetzung wird auch Borat und Perborat abgegeben. Schädlich für Fische, Wasser- und Kulturpflanzen. Carborate erhöhen Alkalität, sind aber ökologisch weniger bedenklich als Borate. 
Lösungsmittel Wasser ist wichtigstes Lösungsmittel. Probleme treten bei fetthaltigen Verschmutzungen auf, die u.U. nur mit organischen Lösungsmitteln zu beseitigen sind.  Wasser ist als Lösungsmittel ökologisch unbedenklich. 
Organische Lösungsmittel Können mit Wasser mischbar (Alkohole, Glykole und Glykolether) oder nicht mischbar sein (aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe) Können ökologisch bedenklich sein. Einzelprüfung erforderlich. Prinzipiell sind wasserlösliche Lösungsmittel ökologisch weniger bedenklich als nicht wasserlösliche. 
Alkohole Fettlösende, sehr gut wasserlösliche, die  Oberflächen (mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Acrylglas) nicht angreifende Substanzen, die in Fensterreinigern und sog. Alkoholreinigern enthalten sind. Bevorzugt wird Isopropanol verwendet.  Sehr gut biologisch abbaubar. Kann beim Einatmen narkotisierend wirken, Augen und Schleimhäute reizen. Aus Sicht des Umweltschutzes empfehlenswert.  
Glykole und Ether Schwer flüchtiges Lösungsmittel. Reinigende Wirkung ähnlich Alkohol, bevorzugt in Grundreinigern enthalten  Gesundheitlich bedenklich, da fruchtschädigend und die Reproduktionsfähigkeit einschränkend. Aufnahme durch die Haut möglich.   
Halogenierte Kohlenwasserstoffe Chlorhaltiges Lösungsmittel in Kaltreinigern, Fleckentfernern, Lacklösern und Klebstoffen. Typische Vertreter: FCKW, CKW, TRI und PER  Stark wassergefährdend und biologisch kaum abbaubar. Schädigen teilweise die Ozonschicht. Reichern sich im Fettgewebe von Lebewesen an. Krebserzeugend und stark gesundheitsgefährdend. FCKW in Treibgasen verboten, Restbestände können noch im Umlauf sein. TRI und PER sind betongängig (z.B. Abwasserrohre), schädigen das Grundwasser, müssen in geschlossenen Kreisläufen geführt werden und sind für die Gebäudereinigung nicht geeignet 
nichthalogenierte Kohlenwasserstoffe Als Lösungsmittel in Spezialreinigern enthalten. Typische Vertreter: Pentan, Hexan, Terpene, Testbenzin Explosionsgefährlich und giftig. Nur eingeschränkt empfehlenswert. 
Aromatische Kohlenwasserstoffe Wohlriechende Stoffe, die in Bohnerwachsen, Fleckentfernern, Cleanern und Grundreinigern enthalten sind. Typische Vertreter: Benzol, Toluol, Xylole  Stark wassergefährdende, beim Einatmen gesundheitsgefährdende Substanzen, die fruchtschädigend und krebserregend sein können. In Reinigungsmitteln nicht empfehlenswert. 
Säuren und Salze Mineralische und organische Säuren bzw. deren Salze sind geeignet, Kalk- und Urinsteinablagerungen zu entfernen  Stark ätzende Substanzen. Mineralische Säuren ätzen stärker als organische. In Reinigungsmitteln sollten organische Säuren bevorzugt werden. 
Mineralische Säuren Typische Vertreter in Renigungsmitteln (z.B. Sanitärreiniger) sind Schwefelsäure (mit den Salzen Natriumbisulfat und Natriumhydrogensulfat), Salzsäure, Salpetersäure, Phosphorsäure und Amidosulfonsäure.   Wegen der Gesundheits- und Umweltgefährdung sollten mineralische Säuren nicht eingesezt werden. Falls wegen des Verschmutzungsgrads erforderlich, sollte Amidosulfonsäure oder Phosphorsäure in geringen Konzentrationen eingesetzt werden. Die Abbauprodukte der Phosphorsäure (s. Phosphate) tragen zur Gewässerüberdüngung bei. Bis zu einer Konzentration von 1 % ist Phosphorsäure akzeptabel. Die leicht abbaubare Amidosulfonsäure kann in Konzentrationen bis zu 10% als tolerabel angesehen werden. 
Organische Säuren In Sanitärreinigern und als Entkalker gebräuchlich.Typische Vertreter: Ameisensäure, Essigsäure, Zitronensäure.  Weitgehend unproblematisch abbaubar. Essigsäure und Ameisensäure sind schwerer abbaubar als Zitronensäure. Aus Sicht des Umweltschutzes sind Konzentrationen von 20% (Essigsäure) und 10% (Ameisensäure) weitgehend unbedenklich. Essig- und Ameisensäure entwickeln reizende Dämpfe. Aus Sicht des Arbeits- und Umweltschutzes ist Zitronensäure empfehlenswert.   
Alkalien und alkalische Salze Stark auflösende Wirkung für organische Verschmutzungen wie Fette, Eiweiße, Farben und Kleber. Laugen (auch basische Reinigungsmittel genannt) wie z.B. Natrium- und Kaliumhydroxid, Ammoniak, Metasilikate und Natriumcarbonate sind stark ätzend. In vielen Sanitär- und Rohrreinigern enthalten.  Laugen schädigen auch in geringsten Konzentrationen Mikroorganismen und Fische, korrodieren Oberflächen und zerstören die Mikrolebewesen der Kläranlagen. Ammoniak ist in Kläranlagen schwer abbaubar, leicht flüchtig, reizt daher die Atemwege und sollte nur in Konzentrationen < 1% verwendet werden. Laugen greifen Eiweiß (z.B. auch die Haut) an und führen zu schweren Verätzungen (Arbeitsschutz beachten!). Nur in geringen Konzentrationen bei starker Verschmutzung akzeptabel. Bevorzugt sollten Natriummetasilikate verwendet werden.  
Enzyme In Waschmitteln enthaltene Substanzen, die Eiweiß (Proteasen), Stärke (Amylose), pflanzliche Fasern (Cellulasen) und Fette (Lipasen) abbauen.  Können bei unzureichender Ausspülung aus der Kleidung die Haut angreifen. Alternative: sog. Baukasten-Waschmittel verwenden. 
Konservierungsmittel zur Vermeidung von mikrobiellem Befall von tensidhaltigen Reinigungsmitteln eingesetzt. Typische Vertreter: Aldehyde, Formaldehydabspaltende Produkte, schwefel- und stickstoffhaltige Heterocyclen und Säureester.   Formaldehyd ist allergieauslösend. Auf diese Konservierungsstoffe sollte in Reinigungsmitteln verzichtet werden. 
Farb- und Duftstoffe Keine reinigende oder pflegende Wirkung. Zur Kennzeichnung und als Luftverbesserer (z.B. im Sanitärbereich) eingesetzt. Können allergieauslösend sein.   Insbesondere Xylol-Verbindungen stehen im Verdacht, krebserregend  und erbgutschädigend zu sein. Sie lagern sich im Fettgewebe an und beeinträchtigen über die Nahrungskette auch die menschliche Gesundheit. Die Substanzen sind als umweltgefährdend eingestuft. Insbesondere von die Raumfluft belastenden Sprays und Duftkonzentraten ist abzuraten.
Darstellung in Anlehnung an: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Schwamm drüber - Umweltschonende und gesundheitsbewusste Reinigung in öffentlichen Einrichtungen - Münster, 1997



Quelle: Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg - www.umweltschutz-bw.de - 06.09.2010 12:36:21 Uhr
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